In meinem nächsten Leben möchte ich als Seelöwe wiedergeboren werden: Im Meer schwimmen, in der Sonne faulenzen und jederzeit Sushi all you can eat!
Archiv für den Monat: Oktober 2014
Reserva Nacional Pingüino de Humboldt
Am nächsten Tag setzen wir unsere Fahrt fort und gelangen zum kleinen Fischerort Punta de Choros, organisatorisches Zentrum des Nationalparks Pingüino de Humboldt. Hier hat der chilenische Staat drei vor der einsamen Felsenküste gelegene Inseln schon frühzeitig unter Naturschutz gestellt. Im Hafen sehen wir allerdings Fischer, die in großen Mengen Abalone, die ebenfalls unter Naturschutz stehen, auf Wagen verladen. Aber eingeschränkter Naturschutz ist immerhin besser als kein Naturschutz und man kann den seit ewigen Zeiten dort lebenden Fischern nicht jegliche Lebensgrundlage entziehen.
Auf der Isla Damas, Isla Choros und Isla Chanaral leben jedenfalls ungestört Seevögel, Seelöwen, Seeotter und eine Kolonie von Humboldt-Pinguinen. Wir entscheiden uns spontan für eine Tour und sind zwanzig Minuten später in einem kleinen Boot bereits unterwegs.
Unsere Spontanität wird belohnt: Schon während der Anfahrt Richtung Isla Choros entdecken wir Finnwale, die eigentlich für diese Jahreszeit noch etwas zu früh sind. Später im Jahr kann man rund um die Inseln mit etwas Glück auch Buckelwale, Blauwale und Orcas beobachten.
Unser Glück hält an, denn kaum sind die Finnwale abgetaucht wird unser Boot von einer Gruppe großer Tümmler begleitet. Wir erfahren, daß sie im El-Nino-Jahr 1978 mit einer warmen Meeresströmung gekommen und seitdem geblieben sind.
Im Boot geht es die felsige und steile Küste der Isla Choros entlang und wir können die dort lebenden Tiere aus nächster Nähe beobachten. Die Insel darf nicht betreten werden, sondern bleibt ausschließlich den Tieren vorbehalten, die dort auch ihre Babystuben haben. Besonders die nur einen halben Meter großen Humboldt-Pinguine sind putzig anzuschauen. So watschelig und unbeholfen sie an Land erscheinen so behände und rasend schnell sind sie unter Wasser.
An den steilen Hängen der Insel sehen wir an einigen Stellen schmale, weit nach oben führende Trampelpfade. Die kleinen Pinguine legen diese an, um ihre Nester vor den Seeottern zu schützen, die nichts lieber verspeisen als ein frisches Pinguinei.
Wir können die Kobolde des Meeres, die flinken Seeotter, auf einem Felsen im Meer beim genüsslichen Verspeisen eines Krebses beobachten.
In den Felsnischen sind viele Seevögel gerade mit dem Nestbau beschäftigt. Wir sehen verschiedene Arten von Möwen, Tölpel, Pelikane und Kormorane, und bewundern ihre Flugakrobatik. Die Landung ist vielleicht nicht unbedingt die Stärke der Pelikane und manch einer kippt dabei auch schon mal auf die Nase und muß wild mit den Schwingen schlagend korrigieren, aber dafür sind sie mit Abstand die besten Gleiter. Die tiefschwarzen Kormorane kreisen in zehn bis 15 Metern über dem Meer und halten Ausschau nach kleinen Fischen. Erspähen sie ihre Beute aus der Luft, kippen sie über eine Flügelseite weg, bringen sich mit wenigen Flügelschlägen in die richtige Position, schießen dann wie ein Pfeil aufs Meer zu und klappen auf den letzten Metern die Flügel ein, um blitzschnell und in exakt dem richtigen Winkel einzutauchen.
Dann geht es weiter zur Isla Damas, der einzigen der drei Inseln, die betreten werden darf. Durch flechtenbehangene Kakteenfelder klettern wir über die kleinen Hügel und an den weißen Sandstränden mit türkisblauem Wasser fühlen wir uns fast wie in der Karibik. Auch hier blühen gerade die Pflanzen.
Es ist schön hier und wir genießen die Stille und den Aufenthalt, auch wenn er nur kurz ist, sehr. Die fast gänzliche Unberührtheit der Insel und ihre schlichte Schönheit vermitteln einen Eindruck, wie sich Leben ohne den Menschen, ohne Zivilisation anfühlt.
Wir erleben einen tollen Tag, und der Grzimek in mir ist mehr als zufrieden. Auch in puncto Nachtplatz bleibt das Glück auf unserer Seite: Zwischen Meer und großen Sanddünen schlagen wir unser Quartier auf und zünden das Lagerfeuer an – Romantik pur.
(M)ein kleiner grüner Kaktus
Am nächsten Tag geht es gezwungenermaßen ein Stück über die öde PanAm bis Caldera, von wo wir wieder für lange Zeit eine wenig befahrene Küstenstraße nehmen können. Ab Bahia Inglesa wird es auf kleinem Niveau spürbar touristischer, da hier viele Chilenen aus Santiago oder aus dem Norden ihre Ferien verbringen. Bahia besteht aus einem halbmondförmig geschwungenen Sandstrand und einer kleinen Ansammlung von Eigentumswohnungen, Ferienhäusern und Restaurants in buntem Stilmix, aber da wir außerhalb der Saison hier sind ist alles geschlossen und außer einigen wenigen Dauergästen niemand zu sehen.
In Baranquillas schlagen wir unser Quartier für eine Nacht oberhalb der Bucht zwischen bizarren schwarzen Felsen mit Blick auf den Ort und die Küste auf.
Am nächsten Tag führt uns der Weg durch Huasco, eine kleine Oase an der Küste, und an ausgedehnten Olivenhainen vorbei, in denen die in Chile berühmten Aceitunas des Huasco gedeihen. Es ist keine Erntezeit und so träumt der sehr authentische Ort entspannt vor sich hin.
Hier in Huasco endet die Küstenstraße und wir müssen zurück auf die östlich im Landesinneren verlaufende PanAm, um zum Parque Nacional Pingüino de Humboldt zu gelangen. Auf nicht ganz halber Strecke zur PanAm beschließen wir, uns ab Freirina querfeldein südwärts durch die Berge zu schlagen. Über eine ausgesetzte, nur mühsam befahrbare Piste schrauben wir uns Kurve für Kurve immer weiter bis auf 1.300 Meter hoch. Die Fahrerei ist anstrengend und Hugo kurbelt bis er dicke Arme hat. Teilweise ist die Piste in dem Gelände nur auf die nächsten zwanzig Meter sichtbar und wir erwarten jeden Moment ein Sesam-öffne-dich-Tor oder ein Loch im Boden, welches uns verschlingt, aber auf jede Biegung folgt die nächste und so geht es immer weiter.
Auf den ersten Blick scheint die Landschaft, soweit das Auge blicken kann, eintönig braun-grau, hoffnungslos vertrocknet, von stacheligen Kakteen abgesehen ohne jedes Leben, aber als wir aussteigen und genauer hinschauen werden wir überrascht: Die Vielfalt der Vegetation ist enorm groß und viele der Kakteen tragen gerade Blüten in den unterschiedlichsten Farben und Formen oder auch kleine Früchte.
Selbst aus dem trockensten Gestrüpp wachsen kleine zarte Blüten und auf verbrannt aussehenden Wurzeln oder Ästen wächst eine Art leuchtend-grünes Moos. Wir sind beeindruckt, wie die Natur es auch hier schafft, der Luft das bisschen Feuchtigkeit abzutrotzen und für sich zu nutzen. Es ist Frühling und zwischen September und November lebt hier die Wüste.
Wir entdecken sogar einen kleinen Baum, der zwei unterschiedliche Blütenformen trägt:
Je länger wir verweilen desto schärfer stellt sich der Blick für das Gelände und um so mehr entdecken wir. Neben der Vielfalt an Pflanzen gibt es kleine und größere Insekten, Schmetterlinge, Geckos und auch ein unerschrockener Fuchs schnürt neugierig an uns vorbei.
Unser Ziel, der Nationalpark Pingüino de Humboldt, schaffen wir an diesem Tag nicht mehr und so übernachten wir, etwas gerädert, aber voller schöner Eindrücke, im Kakteenfeld.
Parque Nacional Pan de Azucar
Von Cifuncho führt uns eine Piste zurück zur Panamericana, welche wir aber nach einem kurzen Stück bereits wieder verlassen können, um eine verschlungene, in großen Teilen versandete Straße in den Nationalpark Pan de Azucar zu nehmen. Die Landschaft ist bizarr, erscheint auf den ersten Blick lebensfeindlich, aber die Vegetation und die Tierwelt sind erstaunlich: Hier gedeihen viele Arten von Kakteen, die die nötige Feuchtigkeit aus dem aufsteigenden Küstennebel, dem camanchaca, ziehen, und neben vielen Seevögeln sind hier auch Füchse und sogar Guanakos zu finden. Wir gönnen uns an einem der schönen Sandstrände des Nationalparks einen faulen Nachmittag und bleiben über Nacht.
Wir gucken in die Röhre
Auf der Suche nach einem Nachtplatz am Strand südlich von Antofagasta kommt plötzlich ein großer Volvo auf uns zu und wir treffen Rita und Rudi wieder, die wir schon in Cusco getroffen hatten. Wir finden einen gemeinsamen Stellplatz im Parque Croatia und Zeit für ein Schwätzchen ist immer.
Am nächsten Morgen fahren wir auf gut Glück rund 140 Kilometer weiter zum Observatorium Cerro Paranal auf dem gleichnamigen 2.600 m hohen Berg südlich von Antofagasta in der Küstenkordillere. Je höher wir fahren desto größer wird die Einsamkeit und die Landschaft mit ihren rot-braunen Hügeln und den weiten Ebenen dazwischen gleicht mehr und mehr dem Mars.
Schon von weitem sehen wir die vier großen, in der Abendsonne silbrig glänzenden Kuppeln der europäischen Astronomie-Organisation ESO. Wir übernachten in der Marslandschaft unterhalb des bereits geschlossenen Eingangstores. Die Stille ist greifbar; nicht ein Laut ist zu hören.
Hier im Observatorium steht ein Very Large Telescope, welches vier Spiegel mit je 8,2 Meter Durchmesser kombiniert. So wird die Auflösung eines 200 Meter Teleskopes simuliert und eine unvorstellbare Reichweite und Genauigkeit erzielt. Ein Mann auf dem Mond ist damit erkennbar, aber Ziel der dort forschenden Astronomen sind ferne Galaxien und das Geheimnis des Ursprungs des Universums. Wir hoffen auf eine spontan mögliche Besichtigung, die uns aber leider – Europäer hin oder her – verwehrt bleibt. Wir gucken in die Röhre, aber anders, als wir uns das gedacht hatten.
Wir fahren zurück ans Meer und legen einen kurzen Stopp in Taltal, einem ruhigen Fischernest, ein. Bei einem Bummel durch die Umgebung der zentralen Plaza mit ihrer bunten Kirche entdecken wir auch einige Graffity-Malereien, die in ihrer Aussage traurige Einblicke in das wohl manchmal doch brutale lokale Leben geben:
Bevor wir an der Playa Cifuncho einen malerischen und einsamen Stellplatz finden führt uns die wenig befahrene Straße durch eine staubtrockene Landschaft, in welcher zwischen dem Geröll – wie wir finden – äußerst seltsam anmutende Kakteen wachsen:
Wir dürfen eine ruhige Nacht am Traumstrand genießen.
Antofagasta
Über die Ruta 1 fahren wir in den nächsten Tagen die abwechslungsreiche Küste mit ihren tief in die Felswände eingegrabenen Buchten, kleinen Industriehäfen und beschaulichen Fischerorten weiter nach Süden. Antofagasta ist unser nächstes größeres Etappenziel. Die Entfernungsangaben auf den grün-weißen Schildern tragen den großen Distanzen in diesem langgezogenen und gefühlt nur handtuchbreiten Land Rechnung und lassen uns manches Mal staunen: Puerto Montt 1.640 km. Okay. Das ist ungefähr so, als würde in Düsseldorf ein Schild mit der Entfernung nach Rom stehen.
Mejillones, ein völlig untouristischer, aber dafür um so authentischerer Ort nördlich von Antofagasta, bringt uns zum Schmunzeln, denn überall in der kleinen Stadt stehen große bunte Comicfiguren aus Plastik; von Goofy über Minnie Mouse bis Superman sind alle namhaften Helden unserer Kindheit vertreten. Auch wenn es vielleicht nicht unserer Auffassung von urbaner Ästhetik entspricht: Der Ort gibt sich alle Mühe, es den Bewohnern hübsch zu machen, denn außer dem Meer vor den Füßen und der Wüste im Rücken gibt es im Umland nicht viel.
Erschreckend ist auch hier die Zahl der Verkehrstoten, die die kurvenreiche und ungesicherte Küstenstrecke fordert. Überall stehen rechts und links der Fahrbahn die reich geschmückten Gedenkhäuschen, wobei die Trauer der Angehörigen und Freunde zuweilen skuril anmutende Formen annimmt.
Auch für uns sind die Häuschen eine Mahnung.
Wir erreichen Antofagasta, mit rund 400.000 Einwohnern größte Stadt in Chiles Norden und noch heute einer der bedeutendsten Häfen. Die beiden größten Kupferminen des Landes, Chucicamata und La Escondida, liegen nicht weit entfernt; per Bahn wird das Erz an die Küste transportiert und die Verladung auf Frachtschiffe erfolgt hier in den großen Hafenanlagen. Wie Arica und Iquique wird auch Antofagasta im Sommer von internationalen Kreuzfahrtschiffen angelaufen, deren Passagiere zusätzlich Geld in die Stadtkasse spülen.
Zum Übernachten finden wir rund 15 km nördlich der Stadt einen „Kaiserplatz“ an der Steilküste aus Muschelkalk, die hier vom ewig nagenden Meer im Laufe der Jahrtausende ausgewaschen ist. So entstand auch das Wahrzeichen Antofagastas, La Portada, ein steinernes Tor in der Brandung des Pazifiks.
Als wir einen Gleitschirmflieger parallel zum Steilufer in immer gleicher Höhe nonstop über den Strand hin und her fliegen sehen gibt es für Hugo kein Halten mehr. Rauf aufs Dach, rein ins Gurtzeug und rauf in die Luft. Davon hat er schon lange geträumt und die Bedingungen sind geradezu ideal. Am Strand zieht er den Schirm auf, geht ein paar Schritte zurück und schon ist er im Aufwindband. In gleichmäßigen Bahnen schwebt er geräuschlos am Ufer entlang und erst mit der im Pazifik versinkenden Sonne hat er wieder festen Boden unter den Füßen.
Das Stadtbild von Antofagasta zeigt die Identität als Hafenstadt und ihre enge Verflochtenheit mit den Minen in zahlreichen Wandmalereien und dem schön restaurierten, alten Bahnhof aus dem 19ten Jahrhundert.
Nach einem Bummel durch das Zentrum und die palmenbestandene Plaza Colón besuchen wir das kleine, aber attraktiv gestaltete Museo Desierto de Atacama, welches auf den imposanten Ruinen einer ehemaligen Silberschmelze angelegt und 2010 eröffnet wurde. In verschiedenen Themenräumen widmet es sich primär der Geologie und dem Bergbau in der Atacama-Wüste und sekundär der Arbeit in den astronomischen Observatorien, die nicht weit entfernt liegen.
@DerNachbar: Eines der Highlights ist der Prototyp des Marsroboters NOMAD, den die NASA in der Atacama testete und bei welchem SICK verantwortlich für die Teleoptik war!
Während unserer Fahrt durch die hoch gelegenen Andenregionen in Bolivien und Peru waren uns häufiger große leuchtend blau oder grüngefleckte Steine aufgefallen und wir hatten uns schon gefragt, welcher Wahnsinnige wohl auf über 4000 Metern mit einer Paintball-Pistole durch die Einöde läuft und Steine mit Farbe anspritzt. Das Museum klärt uns auf: Alles echt – es handelt sich um kupferhaltige oxidierte Steine.
Daß die Atacama vor vielen Millionen Jahren keine Wüste, sondern Teil des Meeresbodens war bezeugen zahlreiche archäologische Funde. Unter anderem sind im Museum Kieferteile von Urkrokodilen, versteinerte Skelette von Mini-Sauriern, Fossilien von Muscheln und Meeresschnecken und die Knochen und Zähne eines Megalodons, des bis zu 18 Meter großen Riesenhais, ausgestellt. Ein einzelner Zahn ist in etwa so groß wie meine Handfläche und Hugo hätte im Kiefer des Riesenhais noch locker aufrecht stehen können. Bei zwei bis drei Metern Kieferdurchmesser konnte der Megalodon ein ausgewachsenes Pferd im Ganzen verschlucken. Der Weiße Hai ist dagegen ein Kuscheltier.
Auf kleinem Raum bringt das Museum gekonnt alle relevanten Informationen rund um die Geschichte der Atacama übersichtlich zusammen, erklärt die geologische Bedeutung für die Metallgewinnung und auch die Zusammenhänge zwischen Erdgeschichte und der Erbebenhäufigkeit heute.
Daniela im Himmel
Big After Flight Smile
Hugo im Sandkasten
Wir sind für ein paar Tage zurück in Iquique und im Altazor Flypark. Außer uns ist dort für eine Woche eine große Gruppe Gleitschirmflieger aus Argentinien zu Gast und drei deutsche Piloten aus der Nähe von München. Zeit für ein gemeinsames Bier…
Bei unserem ersten Besuch hatte Hugo den Startplatz oberhalb der großen Sanddüne El Dragón kennengelernt, aber im Süden der Stadt soll es eine zweite legendär gute Startmöglichkeit an einem Sandhügel fast auf Meereshöhe geben, der auch gleichzeitig Landeplatz ist. Wir fahren hin. Der Hügel entpuppt sich als nicht viel mehr als ein Sandhüppelchen in der prallen Sonne, aber die Thermik ist für jeden Flieger ein Traum. Mit dem auflandigen Wind schraubt sich Hugo in kürzester Zeit weit über die Bergkuppen und genießt einen langen Flug.
Iquique boomt unübersehbar. Überall schießen schicke gläserne Wohntürme aus dem Boden. Der Platz zwischen der großen Sanddüne und dem Meer ist begrenzt, also baut man in die Höhe. Die Beschreibungen der Objekte bei den Immobilienagenturen und auf den großformatigen Werbetafeln klingen gut: Keine Wohnung unter 120 qm, Parkettboden, High-Tech-Küche mit Kochinsel, erdbebensicher und in der Tsunami Safety Zone gelegen. Wir sprechen mit einem seit 15 Jahren in Iquique beheimateten Europäer und erfahren, daß derzeit nicht nur die Wohntürme, sondern auch deren Preise in den Himmel wachsen. Rund um Iquique liegen fünf sehr große Kupferminen und die Minenarbeiter verdienen doppelt soviel wie der chilenische Durchschnittsarbeiter. Sie treiben in Iquique die Immobilienpreise in die Höhe.
Die Minen liegen zu einem großen Teil in Höhen von bis über 4.000 Metern. Eine tägliche Pendelei zwischen Arbeitsstätte und Zuhause ist weder zeitlich noch körperlich machbar, daher fragen wir nach, wie die Arbeitszeiten der Minenarbeiter sind. Sieben Tage Arbeit, während der die Arbeiter in einfachsten Quartieren vor Ort untergebracht sind, dann sieben freie Tage, während derer alle Annehmlichkeiten von Iquique auf vergleichsweise hohem Niveau genossen werden können.
Marsmännchen
Sowohl in Peru als auch im Norden Chiles gibt es in der Wüste, insbesondere an den Osthängen des kargen Küstengebirges, zahlreiche Geoglyphen, großformatige Erdbilder, die meist zwischen 1000 und 1400 aus bis heute von Wissenschaftlern nicht enträtseltem Grund geschaffen wurden. Meist handelt es sich bei den Darstellungen um Tiere, geometrische Figuren oder Abbildungen von Menschen.
Von der Panamericana aus machen wir einen kurzen Abstecher über eine Schotterpiste zu den Geolifos del Cerro Unita. Auf einem verloren in der Wüste stehenden Erdhügel findet sich dort mit 86 Meter die weltweit größte bislang von Archäologen gefundene Abbildung einer menschlichen Figur, der Gigante de Atacama. Die Wissenschaftler vermuten, daß sie einen Gott oder einen Herrscher darstellen soll, da das Haupt auch heute noch gut sichtbar mit vier Federn geschmückt ist und sich seitlich die Abbildung eines Herrschaftsstabes befindet.
Erich von Däniken hätte die Figur bestimmt den Marsmännchen zugordnet, aber vielleicht hat vor Tausend Jahren auch einfach nur jemand Langeweile gehabt.
Zurück in Chile
Wir verabschieden uns von Guadalupe und Paul, verlassen Tacna und überqueren schon nach wenigen Kilometern die Grenze zu Chile. Die Ausreise aus Peru ist schnell und unkompliziert, aber die Einreiseformalitäten nach Chile sind dieses Mal langwierig. Wir spüren sofort: Hier tickt die Uhr anders. Eine freundliche Grenzbeamtin fängt uns schon vor den verschiedenen Schaltern ab und erklärt das Procedere. Mit ihrem Outfit könnte sie ohne Überarbeitung durch Stylisten und Visagisten sofort in jeder CSI-Serie mitspielen: Dunkelblauer, mit Goldborten und – Knöpfen abgesetzter Hosenanzug, der auf Figur geschneidert sein muß, so tadellos und faltenfrei wie er sitzt, dazu eine ebenfalls goldbesetzte Polizeimütze im gleichen Farbton, die dunklen Haare zu einem eleganten Knoten im Nacken frisiert, mit leuchtend rotem Lippenstift makellos geschminkte Lippen, dazu die anscheinend für alle südamerikanischen Beamten obligatorische Pilotenbrille mit Goldrand und Vollverspiegelung. In Jeans und T-Shirt fühlen wir uns in ihrer Gegenwart leicht underdressed…
Nachdem ich vier verschiedene Stationen in unterschiedlichen Gebäuden abgelaufen habe, um alle erforderlichen Stempel für die Einreise von Fahrzeug und uns zu erhalten, müssen wir noch eine eidesstattliche Erklärung über die mitgeführten Produkte/Lebensmittel ausfüllen und unterzeichen. Dann wird der Wagen von einem Beamten geprüft. Wir kennen dies bereits von der vorherigen Einreise und haben bewusst leicht auffindbar ein paar Bananen, Avocados und Kartoffeln deponiert, damit der Beamte schnell was findet und gar nicht erst auf die Idee kommt, nach dem Fleisch im Kühlfach, der Mango in der Handtasche, dem Honig unterm Bett und den Chia-Samen unter den Handtüchern zu suchen, vom Coca-Tee aus Bolivien ganz zu schweigen. Wie erwartet werden Bananen, Avocados und Kartoffeln konfisziert, dann erhalten wir die Freigabe, dürfen weiterfahren und am letzten Kontrollpunkt wird uns das Formular mit den vielen Stempeln wieder abgenommen.
Die nördlichste Stadt Chiles und eine der ältesten Siedlungen des Landes ist Arica, nur eine gute halbe Stunde Fahrt von Peru entfernt. Lange vor der Ankunft der Spanier trieben die hier lebenden Indianer regen Handel mit den Völkern im Andenhochland und über den alten Handelsweg entlang des Azapa-Tales verläuft heute eine asphaltierte Straße nach Bolivien. Die Spanier legten hier einen Hafen an, um das Silber aus den Minen von Potosi leichter verschiffen zu können. Heute wird Arica von Kreuzfahrtschiffen, die im Sommerhalbjahr auf der legendären Kap-Hoorn-Route rund um Südamerika reisen, gelegentlich besucht.
Bei unserem ersten kurzen Besuch Chiles hatten wir vor einigen Wochen an einem der Strände im Süden Aricas übernachtet, uns die Stadt selbst aus Zeitmangel aber nicht angesehen. Dies holen wir jetzt nach und sind sehr überrascht. Hier finden wir den gleichen „Drive“, die gleiche Emsigkeit, die uns schon in Iquique aufgefallen war. Anders als in Bolivien oder Peru besitzen die Chilenen eine ausgeprägte „Aufsteigermentalität“. Am wirtschaftlichen Erfolg bemisst sich auch der persönliche eines jeden Einzelnen. Nicht nur in diesem Punkt ist die Nähe zum europäischen oder US-amerikanischem Lebensstil auffällig. In Arica finden wir neben dem klassischen mercado publico mit der schmalen Calle Bolognesi auch eine schöne gepflegte Fußgängerzone mit vielen Geschäften, Restaurants und Cafes und der Supermarkt braucht in puncto Größe und Sortiment den Vergleich mit einem real oder Walmart nicht zu scheuen.
Sehenswert ist die Iglesia San Marcos, die als Fertigbau-Konstruktion vollständig aus Eisen von Alexandre Eiffel hier 1875 errichtet wurde. Es klingt seltsam, als wir an die Wände klopfen. Auch vom deutschen Einfluß finden sich heute noch Spuren: An der Wasserfront steht auf dem ehemaligen Bahnhofsvorplatz eine alte Lokomotive aus der Maschinenfabrik Esslingen, welche um 1925 den Zug auf der Strecke zwischen Arica und La Paz in Bolivien zog.
Im Norden der Stadt liegt ein kilometerlanger, fast menschenleerer Sandstrand, der zum Sonnenbaden und Faulenzen einlädt. Nur einige hartgesottene Surfer in dicken Neoprenanzügen wagen sich mit ihren Boards ins Wasser, denn die Fluten des Humboldtstromes sind um diese Jahreszeit noch eiskalt.
KnusperKnusper
Hugo verbringt im Laufe der nächsten Tage etliche Stunden in der Praxis von Guadalupe, hat danach aber ein strahlend weißes Lächeln. Paul schenkt uns – trotz eigener Urlaubsvorbereitungen (es geht für fünf Wochen nach Europa) – seine ganze Zeit und Aufmerksamkeit und nimmt uns an die Hand. Er führt uns mit Taxi, zu Fuß und Collectivo von Ecke nach Ohr durch ganz Tacna. Je mehr Zeit wir hier verbringen desto besser gefällt uns die Stadt. Besonders ihre vielen mercados, die teilweise die Größe ganzer Stadtviertel einnehmen, sind sehenswert. Durch die Grenznähe und vergleichsweise günstigeren Preise kommen viele Chilenos zum Einkaufen hierher.
In seiner Gastfreundschaft lässt Paul es sich nicht nehmen, uns zum peruanischen Sonntagsbraten einzuladen.
Es gibt fritiertes cuy mit allem Drum und Dran. Die Meerschweinchen werden hier wie bei uns Kaninchen für den Verzehr gezüchtet. Es ist schön knusprig gebraten, das Fleisch ist zwar wenig, aber sehr zart, und ich finde es lecker. Angerichtet wird das cuy mit camote, einer gebackenen Süßkartoffel, Kartoffeln und dem typischen peruanischen Salat mit viel Zwiebel und Limonensaft. Hugo ist nicht so ganz überzeugt, ihm ist es zu „filigran“; er braucht halt ein „ordentliches Stück Fleisch“.
Bürgermeisterwahlen
Am 5ten Oktober werden in ganz Peru die neuen Bürgermeister gewählt. Wählen ist hier Pflicht; wer nicht wählt, zahlt ein Strafgeld. Um gewalttätige Ausschreitungen zu verhindern gilt rund um die Wahlveranstaltung vom Samstag bis Montag auch absolutes Alkoholverbot, das sogenannte ley seca. Wer Alkohol ausschenkt macht sich strafbar und wird mit einem empfindlich hohen Bußgeld von 2000 Soles (ca. 600 EUR) belegt.
Die Wahlkampagnen beinhalten großformatige Plakate, aber auch eigene Wahlsongs, die überall auf den Straßen und den Radiosendern nonstop gedudelt werden. Vorausgesetzt, man verfügt über eine volle Kasse, gibt es auch Events mit populären Bands oder Prominenten. In den Städten besuchen die Kandidaten sehr gerne mit allerhand Versprechungen für die Zukunft die pueblos jovenes. Brot und Spiele, wie überall. Die Straßen und Häuserwände sind gepflastert mit Plakaten und in dem Meer von Kandidaten ist es schwer, einen Durchblick zu bekommen; es hat den Anschein, als könne sich jeder, der Lust hat, zur Wahl aufstellen lassen. Vielleicht ist es ja auch so.
Jeder Kandidat veröffentlicht auf seinem Werbeplakat einen einfachen, aber eingängigen Wahlspruch, sowie ein kleines lustiges Icon um zu zeigen, wo man beim Wahlgang sein Kreuzchen machen muß. Die Wahlsprüche übertreffen sich an Originalität und reichen von „Arbeit und Ehrlichkeit“ über „Für die Paprikabauern“ bis hin zu „Mit Drohnen gegen Einbrecher“. Letzteren habe ich in Lima gesehen und ich hätte garantiert den Kandidaten gewählt! 🙂
Nichts für schwache Nerven
Zurück auf der Panamericana geht es durch die trockene Küstenwüste nach Ica, bekannt für seine Weinkellereien, Dattelpalmen und den Anbau von Mangos und grünem Spargel, der zum größten Teil exportiert wird, da die traditionelle peruanische Küche ihn nicht kennt.
Die Oasenstadt liegt am Rand der höchsten Sanddünen Amerikas und hat ein sonniges, sehr heißes Klima. Auch hier sieht man noch immer die Spuren der schweren Verwüstungen des Erdbebens von 2007 mit der Stärke 8.0, bei dem in der Region Pisco rund tausend Menschen starben und 75.000 Häuser zerstört wurden. Auch entlang der PanAm verlaufen heute noch sichtbare große Verwerfungen.
Die kilometerlangen Geoglyphen von Nasca, deren Sinn und Herkunft bis heute von Archäologen nicht abschließend geklärt werden konnte, lassen wir links liegen, vielmehr durchschneiden sie, denn die PanAm führt durch den Schwanz der Eidechse hindurch.
Unterwegs sehen wir viele Streckenposten der Polizei, die uns aber immer freundlich durchwinken. Trotz der vielen Kontrollen trägt die PanAm in Südamerika den Namen „Carretera Criminal“, da es immer wieder zu brutalen Raubüberfällen kommt. Die Täter provozieren Unfälle und rauben dann die Opfer aus oder tarnen sich als falsche Polizisten. Nachtbusse auf der Strecke fahren inzwischen in Konvois von neun oder zehn Fahrzeugen, da die Täter selbst vor den Reisebussen nicht halt machen. Wir versuchen, Nachtfahrten soweit wie möglich zu vermeiden, zumal wir mit dem Mog nicht die Schnellsten sind.
Hinter endlosen Kilometern in menschenleerer Wüsteneinsamkeit trifft die PanAm bei Puerto Lomas wieder aufs Meer und fast unberührte Strände. An der Mündung des Rio Yauca finden sich im gleichnamigen Ort unerwartet ausgedehnte grüne Haine mit knorrigen Olivenbäumen. Hinter dem kleinen Fischerort Chala führt die Traumstraße, die ihren Namen hier zu Recht trägt, dann hoch über dem grau-blauen Ozean eine spektakulären Steilküste entlang.
Für diese Teilstrecke der PanAm sollte man schwindelfrei und kein Hasenherz sein. Die kalten Wellen des Pazifik türmen sich meterhoch und brechen mit gewaltigem Donnern auf den Sandstrand direkt unter uns. Viele Pelikane und Raubvögel sind zu sehen, auch einen gestrandeten Wal entdecken wir am Strand. Die PanAm schraubt sich viele Hundert Meter hoch, eng an die Bergflanke geschmiegt, und wenn in einer Haarnadelkurve plötzlich ein schwer beladener Truck auf der eigenen Fahrbahn entgegenkommt, weil er mit zu hoher Geschwindigkeit aus der Spur getragen wurde oder weil er den Platz benötigt, um seine Fracht um einen Felsüberhang zu befördern, ja dann gibt’s auch mal kurzzeitig einen deutlich beschleunigten Herzschlag und Stress im Cockpit, denn einen knappen halben Meter weiter rechts geht es senkrecht ganz schnell nach unten. Es gibt’s nichts, was den Fall aufhalten könnte. Die Überlebenschance ist gleich Null: Wer sich bei dem Sturz noch nicht das Genick gebrochen hat, ertrinkt unten im Pazifik. Es ist erschreckend, wie viele der kleinen mit filigranen Kreuzen und Plastikblumen geschmückten Gedenkhäuschen die PanAm auf diesem Streckenabschnitt säumen. Das Foto habe ich vom Beifahrersitz aus während der Fahrt gemacht…
Trotzdem, wir genießen die Fahrt entlang der Küste sehr.
Wir übernachten an einer 24h Tankstelle in der Oase Ocona. Hier, an der Mündung des Rio Ocona ins Meer, wird neben vielen Gemüse- und Obstsorten sogar Reis angebaut.
Am nächsten Tag führt die Fahrt noch eine Weile die Küste entlang, bevor die PanAm dann mit schönen Blicken auf die Vulkane Misti und Chachani ins Inland Richtung Arequipa ansteigt und damit wieder für viele Stunden in öde Wüste. Hinter La Reparticion entscheiden wir uns, die PanAm zu verlassen und wieder an die Küste zu fahren, um über Mollendo und Mejia und dann weiter am Wasser entlang bis Tacna zu fahren.
Rund 50 km vor dem wichtigsten Hafen Südperus, Islay, rollt uns wieder die weiße pazifische Nebelwand entgegen, die zunehmend dichter wird, je tiefer wir uns die Serpentinen hinunter zur Küste schrauben.
Kurz vor der Mautstation Matarani oberhalb der Stadt ist die Sicht fast Null und wir überlegen, die 70 km bis zur PanAm zurückzufahren, entscheiden uns dann aber dagegen und werden mit einer Fahrt durch wunderbare Küstenstädtchen belohnt.
Über das recht große Islay/Matarani wird der gesamte Güterverkehr vom Pazifik zur brasilianischen Atlantikseite abgewickelt. Die Fracht der Schiffe wird hier auf LKW umgeladen und dann über die Titicacasee-Route nach Brasilien transportiert. Sind ja auch nur ein paar Kilometer, nur eben einmal quer rüber über die Anden. Daneben ist Islay/Matarani Freihandelszone und Hafen für … Bolivien. Das Land, das seit der Unabhängigkeit 1825 rund 200 gewaltsame Machtwechsel durchlebt hat und damit den einsamen Weltrekord hält, hatte sich neben seinen dauernden innenpolitischen Wirren auch mit all seinen Nachbarn angelegt und dabei den Kürzeren gezogen: Im Salpeterkrieg um 1880 mußte es die Region Antofagasta an Chile abtreten und verlor damit den Zugang zum Pazifik. Gute zehn Jahre später streitet es sich mit Brasilien, verliert und muß die Region um Acre abtreten. Knappe dreißig Jahre später verliert Bolivien im Chaco-Krieg das Chaco-Gebiet an Paraguay. Im Laufe der Zeit verlor Bolivien so rund 50% seines ursprünglichen Staatsgebietes. Zum Glück sind die Peruaner verträgliche Nachbarn und schlossen 1992 großzügig einen Vertrag über die bolivianische Nutzung der Pazifikhäfen Ilo und Islay.
Mangels irgendeiner Beschilderung verfahren wir uns hoffnungslos im Stadtverkehr von Mollendo und fragen zwei Polizisten in einem Streifenwagen nach dem Weg Richtung Mejia. Robert der Niro in jungen Jahren und schick bemützt sagt daraufhin, wir sollen uns keine Sorgen machen, sondern ihm einfach folgen. Es sei ihm eine Ehre, uns den Weg zu zeigen. Galanter gehts nicht. Umgehend schaltet er sein Rotlicht auf dem Dach an, ein zweiter Wagen setzt sich hinter uns und nach wenigen Kilometern in Begleitung sind wir auf die richtige Spur gesetzt. Die Fahrt über die Costanera führt uns entlang der Laguna de Mejia, einem unter Naturschutz stehenden Feuchtgebiet mit Küstenlagunen, in dem zahlreiche Vogelarten dauerhaft zuhause sind und auch viele Zugvögel überwintern.
In El Arenal wird es für uns dann langsam Zeit, einen Übernachtungsplatz zu suchen, und wir fragen widerum aus dem Auto heraus einen Polizisten, der gerade an einer Ecke ein Schwätzchen hält. Wir haben Glück: Er macht uns umgehend ganz offiziell zu Gästen der Polizei und winkt uns zum örtlichen Kommissariat durch. Einen so sicheren Stellplatz hatten wir bisher noch nie.
Am nächsten Tag ist es für unsere Verhältnisse nur noch ein Katzensprung bis Tacna und wir machen mittags noch einen Stopp in dem zur jetzigen Jahreszeit noch völlig verwaisten Badeort La Boca del Rio. Die Saison hat noch nicht angefangen, und so sind am Strand nur zwei Fischbuden geöffnet, wo wir aber fangfrische Seezunge und Chicharron de Pescado, eine Megaportion gebackener Fischfilets, essen.
Landeanflug
Peninsula de Paracas
Die Peninsula de Paracas hat uns auf der Fahrt von Cusco nach Lima so gut gefallen, daß wir hier auf der Reise Richtung Süden nochmals einen Stopp einlegen und die Tour über die Halbinsel, die wegen Sandsturmes damals ausfiel, nachholen. Als wir abends an unserem alten Stellplatz eintreffen sind in der Bucht wieder zwei Delfine unterwegs, zeigen sich am nächsten Morgen aber nicht mehr.
Die Fahrt über die holprigen Pisten und Wege, die keine sind, lohnt sich und die frische Meeresbrise, Ruhe und Natur tun Seele und Körper nach dem Stadtaufenthalt gut. Wir fahren die teilweise steile Küste mit ihren von der Brandung unterspülten Überhängen entlang, beobachten Inkamöwen, die in den Felswänden ihre Nester bauen, und verfransen uns prompt, da jegliche Beschilderung fehlt und es kaum alte Fahrspuren gibt. Unimoppel und Hugo sind keine Steigung zu steil und kein Sand zu tief und wir wühlen uns durch.
Die Landschaft im Inneren der Halbinsel scheint in Pastellfarben getaucht, die von zartgelb über blaß-rosa und hellblau bis violett reichen.
Das Naturreservat auf der Halbinsel und dem angrenzenden Festland ist erheblich größer als wir zunächst vermutet haben. Je weiter wir ins Innere fahren desto wüstenhaftiger wird die Landschaft. Sicheldünen aus feinstem weißen Sand liegen wie Vanillekipferl auf dunkelgrauem Split und bilden einen wunderschönen Kontrast.
Wir können uns kaum losreißen von soviel purer Schönheit.
Schnullibulli
Hugo kränkelt mit einem bösen Husten etwas vor sich hin und so verschnaufen wir ein paar weitere Tage in Miraflores. Dann wird es auch für uns Zeit, weiterzuziehen. Ursprünglich hatten wir auf dieser Reise vor, nach gesamt Peru auch Ecuador zu besuchen, aber wir planen spontan um. Der Sommer kommt jetzt langsam von Norden auf die Südhalbkugel und wir werden mit ihm in den nächsten Monaten ein paar Tausend Kilometer durch Chile und Argentinien südwärts bis ans Ende des Kontinentes ziehen. Wir freuen uns auf viel Küste, Fjordlandschaften, Gletscher und die immergrünen Urwälder Patagoniens, auch wenn es dort viel regnet und die Winde auch im Sommer sehr stürmisch sein können. Chan-Chan wird auch in ein paar Jahren noch stehen und die Blaufußtölpel auf Galapagos werden bestimmt auch noch da sein, also können Nordperu und Ecuador noch ein bisschen warten.
Wir suchen uns unseren Weg aus der Stadt und kommen in ihrer Peripherie wieder an den endlosen pueblos jovenes, den „jungen Dörfern“, wie die Elendsviertel hier in Peru verharmlosend genannt werden, vorbei. Die provisorischen Hütten aus Schilf, Pappkarton oder Wellblech und viele angefangene, aber nie fertig gestellt Bauten aus Ziegeln umschließen die Stadt wie ein Ring und ziehen sich etliche Kilometer die tristen Wüstenhügel hinauf. Rund die Hälfte der Einwohner Limas lebt in diesen Elendsvierteln, die sich am Stadtrand immer weiter ausdehnen; die letzten Hütten sehen wir 25 Kilometer außerhalb des Stadtzentrums entlang der PanAm. Fließendes Wasser, Müllentsorgung oder Stromversorgung gibt es hier nicht, auch keine Straßen oder Beleuchtung. Wasser wird mit Tanklastwagen herbeigeschafft, gekocht wird mit Gaskartuschen und nachts zündet man Kerosinlampen oder Kerzen an. Die Wege zu Schulen, Krankhäusern oder zu Arbeitsstätten, sofern man eine hat, dauern oft Stunden. Die Menschen leben hier in ihren meist nur 10 – 15 qm großen Hütten illegal, werden aber von der Regierung, die keine bessere Lösung bieten kann, zwangsweise toleriert.
Die Gründe für die Landflucht sind vielfältig: Katastrophen wie Erdbeben zwingen die Menschen zur Umsiedlung, die Bevölkerung auf dem Land explodiert bei stagnierender Wirtschaft oder die Gräueltaten des „Leuchtenden Pfades“ in den achtziger Jahren. Als das TV in den Dörfern des Hochlandes Einzug hielt war die Bewegung weg vom Land in die Stadt nicht mehr aufzuhalten. Die Medien gaukelten in ihren schwülstigen Telenovelas den Menschen ein Leben in Lima in Saus und Braus vor, und Hunderttausende packten ihre Bündel, nahmen ihr weniges Geld und brachen in die Hauptstadt auf in der Hoffnung, dort paradiesische Verhältnisse vorzufinden und „reich“ zu werden wie ihre Vorbilder aus dem Fernsehen. Dort angekommen mussten sie feststellen, daß es keine Arbeit gab und die Mieten für Wohnungen in der Stadt unbezahlbar waren. Oftmals wurde alles Ersparte für die Suche nach Arbeit ausgegeben und schon bald reichte das Geld nicht mehr für eine Rückkehr in ihr altes Dorf.
Wann immer wir auf unseren Reisen durch solche Elendsviertel kommen, egal ob in Indien, Burma oder Namibia, spüren wir den Stachel im Bewußtsein ganz besonders tief, fast schon so wie ein schlechtes Gewissen. Und das ist auch gut so, denn so bleiben wir sensibel.
Was trennt uns von einem solchen Leben in bitterster Armut? Nur der Zufall. Der Zufall, daß wir auf der Sonnenseite des Lebens geboren wurden. Wir haben nichts für unser Schnullibulli-Leben in Sicherheit und Konsum im Überfluß getan, außer vielleicht unsere Chancen gut zu nutzen. Wir hatten einfach das unverschämte Glück, zu einer wirtschaftlichen Boomzeit in einen immer wohlhabender werdenden Staat hineingeboren zu werden und in Elternhäusern aufzuwachsen, die es uns an nichts fehlen ließen. Dank der klugen Umsicht und auch persönlichen Opferbereitschaft unserer Eltern konnten wir eine Erziehung und Bildung genießen, die uns eine gute Positionierung am Arbeitsmarkt und Wettbewerbsfähigkeit verschafft hat.
Bildung ist der Schlüssel für Erfolg und Entwicklung und so ist sie für die Kinder in Bolivien und Peru wie auch anderswo die einzig nachhaltige Chance auf ein besseres Leben. Ohne zumindest eine grundlegende Schulbildung gibt es kaum eine Möglichkeit, dem Elend zu entkommen und die Armut wird von Generation zu Generation weiter vererbt. Wir hatten einfach verdammt viel Glück, und das sollten wir uns immer wieder vor Augen führen.
Dazu auch das Bewusstsein, daß unser heutiger Wohlstand, unsere vermeintliche wirtschaftliche Sicherheit, an einem hauchdünnen Faden hängt. Tag für Tag vollbringen wir, die Industrienationen, einen wahren globalen Hochseilakt, indem wir versuchen, alle relevanten Wirtschaftsräder, Stellschrauben und Märkte am Laufen und zumindest halbwegs in der Balance zu halten, aber platzt die Konsumblase, fällt das gesamte Schnullibulli-System im Nu wie ein Kartenhaus ineinander. Unser von Konsum getriebenes Wirtschaftssystem ist nicht unkaputtbar – siehe 2008, als sich die Schuldenberge vieler Volkswirtschaften auf untragbare Höhen aufsummiert hatten und das Kartenhaus erstmals gewaltig in die Knie ging.
Das alles interessiert die Menschen in den pueblos jovenes verständlicherweise herzlich wenig. Sie leben von einem Tag zum nächsten, immer damit beschäftigt, ihr Überleben zu sichern. Haarshampoo-Päckchen gibt es zum Beispiel portionsweise an kleinen Kiosken zu kaufen, weil die Menschen sich eine ganze Flasche nicht leisten können. Auch Zigaretten und Bonbons gibt es einzeln zu kaufen. Manche Menschen zwacken ein bißchen von ihrem Wasser ab und befeuchten sich ihre Haare, bevor sie aus ihrem „Haus“ gehen, um in der Öffentlichkeit zumindest den Anschein zu erwecken, frisch geduscht zu sein. Es geht nicht nur ums Überleben, sondern auch um die Würde des Menschen. Trinkwasser MUSS als Grundrecht für alle Menschen verankert sein. Für uns fast nicht vorstellbar, keines zu haben, darum sei es hier mal gesagt.
Reality bites, aber die Freude am Reisen wird uns dadurch nicht genommen. Wir wissen, wir können die Welt nicht vor sich selbst retten und wir können nicht jedem, der uns um Geld bittet, helfen, aber es gibt besonders Bedürftige, wie zum Beispiel alte Frauen ohne Familie oder Behinderte, die überhaupt keine Chancen auf Arbeit haben. Diesen Menschen helfen wir gerne, ihre nächste Mahlzeit zu sichern, denn das größte Problem von vielen Millionen Menschen auf unserer Welt sind immer noch Hunger und Durst.
Am 16ten Oktober ist übrigens Welternährungstag. Zahlen, Daten, Fakten zu dem Thema finden sich unter http://de.wfp.org/hunger/hunger-statistik
Traurig
Sechs Wochen sind um. Sechs Wochen ist Dina mit uns gereist. Sechs Wochen haben wir auf 7,5 qm im Unimoppel zu Dritt gelebt. In der Hitze der Wüste, in der Weite des Salzsees, in der Enge der Städte und auch bei nächtlichen minus 15 Grad hoch auf über 4.000 m in den bolivianischen Anden. Nicht ideal, aber irgendwie ging es, mußte es gehen. Ganz klar, es gab Momente, wo die Stimmung zu kippen drohte, aber dann muß man halt sein Mütchen kühlen 🙂
Nach intensiven sechs Wochen mit Ups and Downs muß ich sie jetzt wieder abgeben nach Bayreuth und begleite sie zum Flughafen nach Callao. Dieser entpuppt sich als zwar nicht gerade groß für eine Hauptstadt, aber hypermodern – kein Wunder, steht er doch unter Leitung der Fraport AG.
Zum Check-in-Bereich werden nur die Passagiere zugelassen, nicht jedoch die Begleitung. Zwei Kontrollen, Männer in Uniform, sind erbarmungslos und verweigern mir den Zutritt, bei der Dritten, einer Frau in Uniform, fahre ich dann mein gesamtes Mama-Kind-Repertoire auf und darf schlußendlich mit durch. Dann ist es soweit, der Gang durch die Sicherheitskontrolle, ein letzter Blick und ein letztes Winken, und schwupps, ist sie weg … und ich bin traurig, aber für uns geht die Reise weiter.
Lima
Nach der Abgeschiedenheit der Paracas-Halbinsel geht es über die PanAm an Pisco, der Heimat des pisco sour, vorbei nonstop weiter in die 8 bis 10-Millionen-Metropole Lima. Wir starten einen Versuch, auf dem Gelände des Deutschen Clubs unterzukommen, aber da dies nicht von Erfolg gekrönt ist stellen wir uns in den Hof eines Hostels im schönen Stadtteil Miraflores an der Steilküste hundert Meter über dem Pazifik. Hier wie auch in den benachbarten Stadtvierteln San Isidro und Surco, wo die wohlhabenden Peruaner und Expats wohnen, lebt man hinter hohen Mauern und gut bewacht; selbst im Frozen Yoghurt-Laden steht ein bewaffneter Wachmann.
Wie immer in den großen Städten verschaffen wir uns einen Überblick mit einer halbtägigen Bustour. Dabei wird das ganze Dilemma der Stadt sichtbar. Die einstige koloniale Pracht ist in Spuren überall zu sehen, die touristische Altstadt rund um die Plaza San Martin und die Plaza Mayor ist gut restauriert, aber die Elendsviertel, die plueblos jovenes, sind unübersehbar.
Wir besuchen das Convento de San Francisco mit seiner mächtigen Barockkirche und den schaurig-schönen Katakomben, wo bis heute die Gebeine von 25.000 Verstorbenen sorgfältig nach Größe sortiert aufgehoben werden. Über 300 Jahre dienten die Katakomben der Stadt als Friedhof, gerieten dann in Vergessenheit und wurden erst 1951 wiederentdeckt. Mit seinen bis zu vier Meter dicken Wänden und dem mit Bambusrohr verstärkten Gewölbe trotzt das Kloster seit Ende des 17ten Jahrhunderts allen Erdbeben. Besonders eindrucksvoll ist die Bibliothek, die eine kostbare Sammlung aus über 20.000 ledergebundenen Bänden und rund 6.000 Pergamenten aus der Zeit vom 15ten bis zum 18ten Jahrhundert beherbergt.
Archäologisch interessante Stätten inmitten der Wohngebiete sind Huaca Huallamarca in San Isidro, eine Pyramide aus unzähligen Lehmziegeln, und Huaca Pucllana in Miraflores, beide werden datiert auf die Prä-Inka-Zeit.
In Lima findet man keine freistehenden Wohnhäuser. Man baut Haus an Haus, nach dem amerikanischen Prinzip in Blöcken, sogenannten cuadras, und diese sind widerum durch hohe Mauern samt Elektrodraht gesichert. Entlang der Steilküste werden viele neue moderne Wohntürme aus Glas und Stahl hochgezogen, die Stadt gleicht ihr Gesicht mehr und mehr anderen internationalen Metropolen an.
Karibik oder Sahara?
Uns ist nach Meer. Wir ignorieren daher die Nasca-Linien und steuern stattdessen am späten Nachmittag für eine Zwischenübernachtung die Paracas-Halbinsel an, ein großes Meeresschutzgebiet, welches zahlreichen Tierarten wie Pelikanen, Kormoranen, Flamingos und Seelöwen einen idealen Lebensraum bietet.
Wir staunen nicht schlecht: Uns erwartet eine Mischung aus Buchten mit weißen Sandstränden und karibisch-türkisblauem Wasser an der Küste und einem sahara-artigen wüstenhaften Inselinneren, in dem es keinen Niederschlag gibt.
Am Strand liegen einige von der Strömung angetriebene Seelöwenkadaver. Kein schöner Anblick, aber der Tod hat nie ein schönes Gesicht.
Am nächsten Morgen begrüßen uns noch vor dem Frühstück Delfine in der Bucht direkt vor unserem Stellplatz. Später entdecken wir auch Seelöwen, die in aller Ruhe zwischen den Fischerbooten planschen.
Auf der Halbinsel liegt malerisch der winzige Fischereihafen Lagunillas mit seiner bunten Flotte. Hier passiert noch alles von Hand.
Wir beobachten die Fischer beim Ausladen ihrer Boote; Attraktion des heutigen Vormittages ist der Fang eines größeren Hais. Die Pelikane warten geduldig, bis sie ihren Teil der Beute abbekommen.
Wir suchen uns aus, was eine Stunde später bei uns auf den Teller kommt: Jakobsmuscheln und Seezunge.
Und so schaut´s dann fertig aus; gratiniert und gebacken, einfach köstlich:
Nach dem Lunch starten wir voller Energie zu einer Fahrt über die Halbinsel, werden aber kurze Zeit später jäh ausgebremst, da ein Sandsturm aufzieht. Binnen Minuten sehen wir die Hand nicht mehr vor Augen und sind gezwungen abzuwarten.
Als die Sicht wieder besser wird, der Wind aber nicht wesentlich nachgelassen hat, kehren wir für die Nacht zu unserem alten Stellplatz oberhalb der Bucht zurück. Am nächsten Morgen haben sich Fischer in ihrem alten Bulli im Sand festgefahren und Hugo kann ENDLICH unsere starke Winde einsetzen. Ruckzuck ist der Wagen frei, die Fischer freuen sich und Hugo strahlt!
Nächtliches Treiben
Von Cusco aus machen wir uns gemeinsam mit Kathrin, Ronald und ihren beiden Kindern Lennert und Elli aus Berlin auf den Weg nach Lima. Ursprünglich hatten wir die Fahrt über Pisten durch die Berge und Täler geplant, die ehemals Hochburg des Sendero Luminoso, des „Leuchtenden Pfades“, waren, der viele Jahre immer wieder durch brutale Überfälle und terroristische Akte auf sich aufmerksam machte. Heute sind die kolonialen Dörfer in dieser Gegend friedlich und fast in ihren Dornröschenschlaf zurück gefallen. Leider reicht die Zeit für diese Strecke nicht, sonst würde Dina ihren Rückflug nach Deutschland verpassen, daher nehmen wir die Strecke über Nasca und dann über die PanAm nach Norden.
Es geht nochmals richtig rauf auf fast 4.500 Meter, und auf der kargen und windigen Hochebene erwischt uns vormittags sogar ein Graupelschauer, aber zum Glück kein Schnee. Auf den Pässen kurbelt und schaltet Hugo wie ein Weltmeister, so daß sein rechter Arm abends dreimal so dick ist wie der linke. Einen sehr schönen, aber wie sich nächtens überraschend herausstellen soll, äußerst merkwürdigen Stellplatz für die Nacht finden bei den Thermen von Cconos, die tief im Tal an einem Fluß liegen. Mit unseren beiden Fahrzeugen schrauben wir uns eine unbefestigte und abenteuerlich schmale Piste ein paar Hundert Meter im Zickzack den Berg hinunter.
In die Thermalbecken strömt warmes Wasser tief aus dem Erdinneren, in dem etliche Peruaner fröhlich planschen. Wir gehen davon aus, daß wir den abgeschiedenen Platz nach Einbruch der Dunkelheit für uns haben und Ruhe einkehrt, sollen uns mit dieser Annahme aber gewaltig irren. Es hört und hört nicht auf. Immer neue Autos kommen und fahren irgendwann wieder, und selbst als ich mitten in der Nacht im Stundentakt aus dem Fenster schaue herrscht um uns herum reger Badebetrieb. So geht es die ganze Nacht, und dabei ist nicht einmal Wochenende. Uns stört es nicht weiter, wir finden es nur seltsam.
Am nächsten Tag führt uns die Route unter anderem durch ein Reservat für Vicunyas, die dort in der Einsamkeit auf über 4.000 Metern geschützt werden, und wir sehen Tausende dieser hübschen Tiere, bevor die Straße sich dann in Serpentinen aus den Bergen hinunter zur Küste windet.
Unglaublich, aber wahr
Wir haben auf unseren Reisen schon allerhand Skurilitäten erlebt, aber diese hier ist die Krönung und schlägt alles bisher dagewesene! Wir lassen uns nach der Rückfahrt von Machu Picchu mit dem Zug in Ollantaytambo von Ronaldo, dem Taxifahrer unseres Vertrauens vom Vortag, abholen. Es ist um die Mittagszeit und wir müssen in Cusco vor unserer Abreise Richtung Lima noch zur Bank. Ich erkläre Ronaldo während der Fahrt aus dem Fond des Wagens unsere Bitte und nenne ihm die Adresse, die auf unserem Weg zur Quinta Lala liegt. Ronaldo nickt – beide Hände fest in vorbildlicher Position am Lenkrad – und dann traue ich meinen Augen nicht. Er greift mit der rechten Hand in die Mittelkonsole, zieht dort einen dieser spitzen hölzernen Zahnstocher heraus und … pult sich damit intensiv im rechten Ohr. Mir wird vom Zusehen schon leicht übel, aber es wird noch besser. Mit dem dann am Zahnstocher klebenden Gemisch aus Ohrenschmalz und Cusco-Dreck – IGITTTTTTTIGITTTTTTTTIGITTTTTTT – schreibt er sich die dreistellige Hausnummer auf die linke Handoberfläche!!!!!
(Jetzt wird Euch allen schlecht, nicht wahr?)
Ich warne Dina und Hugo, und beim Abschied verzichten wir auf den sonst üblichen Händedruck.





































































































































































































































































