Archiv für den Tag: 12. Oktober 2014

Traurig

Sechs Wochen sind um. Sechs Wochen ist Dina mit uns gereist. Sechs Wochen haben wir auf 7,5 qm im Unimoppel zu Dritt gelebt. In der Hitze der Wüste, in der Weite des Salzsees, in der Enge der Städte und auch bei nächtlichen minus 15 Grad hoch auf über 4.000 m in den bolivianischen Anden. Nicht ideal, aber irgendwie ging es, mußte es gehen. Ganz klar, es gab Momente, wo die Stimmung zu kippen drohte, aber dann muß man halt sein Mütchen kühlen 🙂

Nach intensiven sechs Wochen mit Ups and Downs muß ich sie jetzt wieder abgeben nach Bayreuth und begleite sie zum Flughafen nach Callao. Dieser entpuppt sich als zwar nicht gerade groß für eine Hauptstadt, aber hypermodern – kein Wunder, steht er doch unter Leitung der Fraport AG.

Zum Check-in-Bereich werden nur die Passagiere zugelassen, nicht jedoch die Begleitung. Zwei Kontrollen, Männer in Uniform, sind erbarmungslos und verweigern mir den Zutritt, bei der Dritten, einer Frau in Uniform, fahre ich dann mein gesamtes Mama-Kind-Repertoire auf und darf schlußendlich mit durch. Dann ist es soweit, der Gang durch die Sicherheitskontrolle, ein letzter Blick und ein letztes Winken, und schwupps, ist sie weg … und ich bin traurig, aber für uns geht die Reise weiter.

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Lima

Nach der Abgeschiedenheit der Paracas-Halbinsel geht es über die PanAm an Pisco, der Heimat des pisco sour, vorbei nonstop weiter in die 8 bis 10-Millionen-Metropole Lima. Wir starten einen Versuch, auf dem Gelände des Deutschen Clubs unterzukommen, aber da dies nicht von Erfolg gekrönt ist stellen wir uns in den Hof eines Hostels im schönen Stadtteil Miraflores an der Steilküste hundert Meter über dem Pazifik. Hier wie auch in den benachbarten Stadtvierteln San Isidro und Surco, wo die wohlhabenden Peruaner und Expats wohnen, lebt man hinter hohen Mauern und gut bewacht; selbst im Frozen Yoghurt-Laden steht ein bewaffneter Wachmann.

Wie immer in den großen Städten verschaffen wir uns einen Überblick mit einer halbtägigen Bustour. Dabei wird das ganze Dilemma der Stadt sichtbar. Die einstige koloniale Pracht ist in Spuren überall zu sehen, die touristische Altstadt rund um die Plaza San Martin und die Plaza Mayor ist gut restauriert, aber die Elendsviertel, die plueblos jovenes, sind unübersehbar.

Wir besuchen das Convento de San Francisco mit seiner mächtigen Barockkirche und den schaurig-schönen Katakomben, wo bis heute die Gebeine von 25.000 Verstorbenen sorgfältig nach Größe sortiert aufgehoben werden. Über 300 Jahre dienten die Katakomben der Stadt als Friedhof, gerieten dann in Vergessenheit und wurden erst 1951 wiederentdeckt. Mit seinen bis zu vier Meter dicken Wänden und dem mit Bambusrohr verstärkten Gewölbe trotzt das Kloster seit Ende des 17ten Jahrhunderts allen Erdbeben. Besonders eindrucksvoll ist die Bibliothek, die eine kostbare Sammlung aus über 20.000 ledergebundenen Bänden und rund 6.000 Pergamenten aus der Zeit vom 15ten bis zum 18ten Jahrhundert beherbergt.

Archäologisch interessante Stätten inmitten der Wohngebiete sind Huaca Huallamarca in San Isidro, eine Pyramide aus unzähligen Lehmziegeln, und Huaca Pucllana in Miraflores, beide werden datiert auf die Prä-Inka-Zeit.

In Lima findet man keine freistehenden Wohnhäuser. Man baut Haus an Haus, nach dem amerikanischen Prinzip in Blöcken, sogenannten cuadras, und diese sind widerum durch hohe Mauern samt Elektrodraht gesichert. Entlang der Steilküste werden viele neue moderne Wohntürme aus Glas und Stahl hochgezogen, die Stadt gleicht ihr Gesicht mehr und mehr anderen internationalen Metropolen an.

 

Karibik oder Sahara?

Uns ist nach Meer. Wir ignorieren daher die Nasca-Linien und steuern stattdessen am späten Nachmittag für eine Zwischenübernachtung die Paracas-Halbinsel an, ein großes Meeresschutzgebiet, welches zahlreichen Tierarten wie Pelikanen, Kormoranen, Flamingos und Seelöwen einen idealen Lebensraum bietet.

Wir staunen nicht schlecht: Uns erwartet eine Mischung aus Buchten mit weißen Sandstränden und karibisch-türkisblauem Wasser an der Küste und einem sahara-artigen wüstenhaften Inselinneren, in dem es keinen Niederschlag gibt.

 

Am Strand liegen einige von der Strömung angetriebene Seelöwenkadaver. Kein schöner Anblick, aber der Tod hat nie ein schönes Gesicht.

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Am nächsten Morgen begrüßen uns noch vor dem Frühstück Delfine in der Bucht direkt vor unserem Stellplatz. Später entdecken wir auch Seelöwen, die in aller Ruhe zwischen den Fischerbooten planschen.

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Auf der Halbinsel liegt malerisch der winzige Fischereihafen Lagunillas mit seiner bunten Flotte. Hier passiert noch alles von Hand.

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Wir beobachten die Fischer beim Ausladen ihrer Boote; Attraktion des heutigen Vormittages ist der Fang eines größeren Hais. Die Pelikane warten geduldig, bis sie ihren Teil der Beute abbekommen.

Wir suchen uns aus, was eine Stunde später bei uns auf den Teller kommt: Jakobsmuscheln und Seezunge.

Und so schaut´s dann fertig aus; gratiniert und gebacken, einfach köstlich:

Nach dem Lunch starten wir voller Energie zu einer Fahrt über die Halbinsel, werden aber kurze Zeit später jäh ausgebremst, da ein Sandsturm aufzieht. Binnen Minuten sehen wir die Hand nicht mehr vor Augen und sind gezwungen abzuwarten.

Als die Sicht wieder besser wird, der Wind aber nicht wesentlich nachgelassen hat, kehren wir für die Nacht zu unserem alten Stellplatz oberhalb der Bucht zurück. Am nächsten Morgen haben sich Fischer in ihrem alten Bulli im Sand festgefahren und Hugo kann ENDLICH unsere starke Winde einsetzen. Ruckzuck ist der Wagen frei, die Fischer freuen sich und Hugo strahlt!