Archiv für den Tag: 7. August 2014

6.8.2014: Happy Birthday…

… to you, happy birthday to you, happy birthday liebster Hugo, happy birthday to you!

 

Heute wird nicht nur Hugos Geburtstag gefeiert, sondern das Land Bolivien begeht auch seinen Nationalfeiertag. Hugo, Flo und Yannic beschließen, den Tag auf der berüchtigten Death Road, der Abra La Cumbre, zu verbringen. Dazu später mehr…

La Paz City Sightseeing

Mit den beiden Jungs unternehmen wir zwei Ausflüge, um uns einen Überblick über die wichtigste Stadt Boliviens, Dreh- und Angelpunkt von Politik, Wirtschaft und Tourismus, zu verschaffen. Mit einer neuen, von einem österreichischen Unternehmen gebauten Seilbahn fahren wir bis auf die Kante von El Alto. Der Blick aus der Luft ist spektakulär: Die 2 Mio Einwohner-Stadt zieht sich aus dem windgeschützten tiefen Talkessel rund 1.000 Meter die Berghänge hoch, überragt von den schneebedeckten Gipfeln der Cordillera Real.

Das Stadtbild ist geprägt von modernen, nicht immer schönen, Hochhäusern in der tief gelegenen Innenstadt und unzähligen ärmlichen Lehmhütten, die wie braune Schwalbennester dicht an dicht an den steilen Hängen kleben, bis sie am Rand des Altiplanos an den tiefblauen Himmel stoßen. Leben in La Paz kann auf eine simple Formel gebracht werden: Je tiefer man wohnt um so wohlhabender ist man und desto dicker ist die Luft zum Atmen.

Aus der Gondel erkennen wir, daß sich weitere Seilbahnen im Bau befinden, die offensichtlich die verschiedenen Stadtteile zukünftig à la Wuppertal miteinander verbinden sollen. Das ist mal eine gute Idee, denn der Verkehr ist mörderisch und ein U-Bahn-Bau kaum möglich. Und wem haben wir dieses Projekt zu verdanken? Meinem speziellen Freund Senor Morales, der sich zumindest auf großformatigen Plakaten damit einmal mehr unübersehbar schmückt.

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Am nächsten Tag fahren wir mit dem Bus zwei Stunden durch La Paz und schauen uns die Stadtviertel etwas genauer an. Am Paseo El Prado, die Lebensader der Stadt, wechseln sich koloniale Prachtbauten mit modernen Geschäfts- und Bürohäusern ab. Viele Häuserfronten sind mit Graffity bedeckt, teilweise sehr kunstvolle und farbenfrohe Bilder aus der Andenkultur, aber meistens leider nur gewöhnliche Schmierereien.

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Die Innenstadt wimmelt vor Menschen: Indigenas in ihren bunten Andentrachten, die an kleinen Straßenständen Obst, Gemüse, Süßigkeiten oder Brot anbieten, Geschäftsmänner und –frauen in Hosenanzügen, junge Menschen in Jeans und T-Shirt, Gaukler, die Zauberkunststücke vorführen, Nonnen in ihren tristen Gewändern, Männer, die Fossilien verkaufen möchten …

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Hinter der barocken Basilica San Francisco mit ihrem wuchtigen Glockenturm bummeln wir durch die steil ansteigende Calle Sagarnaga, wo es Pullover und die typischen Ponchos aus Alpakawolle, alte Stoffe, bunte Taschen mit Indio-Mustern und Llama-Felle zu kaufen gibt. In der Calle Linares, der Zaubergasse oder dem Hexenmarkt, verkaufen alte Frauen mit zerfurchten Gesichtern Heilpflanzen, Steine, geheimnisvolle Pülverchen und allerhand Mittelchen gegen Krankheiten oder böse Geister. Hier entdecken wir an den Verkaufsständen auch erstmals die Llama-Embryos, die als Glücksbringer beim Hausbau in die vier Ecken eingemauert werden.

66% Kinderkram

In diesem Monat kommen 66% unserer Kinder zu Besuch, die fehlenden 33% dann im kommenden Jahr. Florian und sein Freund Yannic landen heute früh um kurz nach 5.00 Uhr in El Alto. Wir stehen auf dem Flughafen in der dünnen Luft hinter der Glasscheibe und sehen die American Airlines Maschine in der Dunkelheit einschweben. Ihre Parkposition ist direkt vor uns und so können wir aus nächster Nähe die Passagiere über die herangerollte Treppe aussteigen sehen. Wir schauen und schauen, aber kein Flo und kein Yannic in Sicht. Haben sie den Anschlussflug in Miami verpasst? Hat der Zoll in Miami sie mit unseren ganzen Bestellungen (diverse Ersatzteile für den Mog, ein Pad, Ceranfeldreiniger, Nutella usw.) nicht weiterreisen lassen? Langsam werden wir nervös, was den in der dünnen Luft ohnehin schon beschleunigten Puls nochmals erhöht, aber dann, als letzte Passagiere, steigen die Zwei aus. In kurzen Hosen auf über 4.000 Metern bei Minusgraden! Wir freuen uns!

Zoobesuch

Während Hugo in der Luft ist besuche ich den sehr schön angelegten Zoo in der Nähe des Landeplatzes, der fast ausschließlich hier in Bolivien beheimatete Tiere der Hochebenen, der Nebelwälder und des Dschungels beherbergt. Neben Andenbären, Affen, Schlangen und verschiedenen Vögeln gibt es auch eine unerwartet große Vielzahl von Raubkatzen, Kondore und natürlich Llamas. Einziger Exot, der nicht hier hin gehört, ist ein Löwe, der vermutlich aus irgendeinem Zirkus stammt und hier eine neue Heimat gefunden hat.

Mein Herz schlägt für die seltenen Vicunas mit ihrem zarten Körperbau und ihren übergroßen langbewimperten Augen. Ein zutrauliches Vicuna-Mädchen lässt sich von mir sogar genüsslich am Kopf kraulen, aber dann kommen zwei Hengste mit angelegten Ohren angaloppiert, stellen sich auf die Hinterbeine, legen die Vorderläufe auf das Gatter und schleudern eine gewaltige Ladung Rotz in meine Richtung. Zum Glück bin ich rechtzeitig einige Meter zurück gewichen, so daß sie ihr Ziel verfehlen.

Vicunas wurden wegen seiner seidenfeinen Wolle, der teuersten Naturfaser der Welt (Kilo = ca. EUR 500), fast ausgerottet und sind heute nur Dank strengster Schutzbestimmungen wieder in den Hochanden zu finden. Durch ihre spezifischen Bluteigenschaften können die Tiere sowohl in Höhen bis zu 5.000 Metern als auch in wüstenartigen Hochsteppen überleben.

Hier im Zoo bietet sich die einmalige Gelegenheit, auch die riesenhaften Kondore aus der Nähe zu betrachten. Nicht gerade mit Schönheit gesegnet beeindrucken sie durch ihren Körperbau und ihre ungeheure Spannweite von über 3 Metern. Aber nichts und niemand ist nur häßlich und so haben die Kondore zauberhafte schneeweiße Federkränzchen um ihren Hals, um die sie Prinzessinnen beneiden würden. Leichte thermische Aufwinde reichen aus, um den Kondor in Höhen von über 5.000 Metern zu tragen. Bei den Inka wurde der der König der Anden als heiliges Tier, als Symbol des Lichtes und der Sonne, verehrt.

Chuno: Die tolle Knolle

In Cochabamba haben wir das erste Mal Chuno gegessen. Bröckelig, mehlig, aber erdig aromatisch und ganz eindeutig eine Kartoffel. In den Andenländern gibt es, neben rund 100 wilden Sorten, 4.000 Kartoffelsorten, die kultiviert werden, allein in Peru 2.500. In Peru kann der Beginn der Kartoffelkultivierung auf 3.500 Jahre v. Chr. Datiert werden.

Chuno ist eine Bitterkartoffel, die in den Anden bis auf eine Höhe von 4.500 Metern wächst. Nicht Peter von Frosta hat die Gefriertrocknung erfunden, sondern die Bewohner des andinen Hochlandes haben dieses Verfahren zur Haltbarmachung entwickelt. Hier in diesen Höhen sind die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sehr groß. Nachts werden die geernteten Kartoffeln dem Frost ausgesetzt, tagsüber in der starken Sonne wieder getrocknet. Dadurch verlieren die Kartoffeln stark an Gewicht und Volumen. Vor der letzten Trocknung drücken die Andenbauern das letzte Wasser mit den Füßen aus den Kartoffeln. Danach sind sie bis zu 10 Jahre haltbar und leicht in die Vorratslager zu transportieren. Auf diese Weise konnten und können sich die Andenbewohner vor Hungersnöten und Missernten schützen. Ein unschätzbares Wissen für die Zukunft.

Mit dem Bobby-Car auf über 4.000

Wir gönnen uns den Spaß und fahren mit dem Quad für zwei Stunden in die Berge auf über 4.000 Meter.

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Der Panoramablick auf das tief im Tal eingebettete La Paz und die umliegenden Berge ist ein Traum.

 

Müllhunde

Uns waren mehrfach die unglaublich vielen Hunde aufgefallen, die entlang der großen Fernstrecken im rechten Winkel zur Fahrbahn fast auf der Straße liegen. Hund folgt auf Hund, alle paar hundert Meter ein neuer auf beiden Seiten der Straße. Wir hatten uns gewundert, was es damit auf sich haben könnte, da es bei so viel Land und Weite erheblich bessere Plätze für Hunde zum Herumliegen gibt. Dann werden wir Zeuge, wie ein großer LKW heranbraust, auf der Beifahrerseite das Fenster herunter gelassen und eine große Mülltüte herausgeschleudert wird. Der eben noch dösende Hund springt auf, sprintet in Lichtgeschwindigkeit neben dem LKW her, fängt die fliegende Tüte noch fast in der Luft und fleddert sie dann am Straßenrand auf der Suche nach Eßbarem. Es sind Müllhunde, die gelernt haben, auf fliegende Plastiktüten zu warten. Müllhunde, die sich perfekt an die unschöne Gewohnheit der Bolivianer angepasst haben, ihren Müll gedankenlos in die Umwelt zu entsorgen, egal ob dieser organisch ist oder nicht.

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