Archiv für den Tag: 15. August 2014

At the Copa Copacabana?

Die Fahrt nach Copacabana ist ganz sicher ein Highlight jedes Bolivien-Besuchs: Hinter uns liegt die schneebedeckte Cordillera, vor uns der endlose spiegelglatte Titicaca-See, am Horizont die Gipfel der peruanischen Anden. Die dominierenden Farben sind das Beige-braun der Hügel, das Grün des Schilfs und das Saphirblau des Sees.

LTC 7

Flo hat Glück an diesem Tag und kommt vor diesem Traumpanorama sogar in die Luft.

Flo Flug 2

Auch wir Nichtflieger können uns an der Landschaft nicht satt sehen. Die Dimensionen  und Farben sind atemberaubend, und das Schönste ist, daß wir hier – noch – abseits jeglichen touristischen Rummels sind.

Mit einer winzigen hölzernen Fähre setzen wir – erfolgreich trotz 7.5 Tonnen – von San Pedro de Tiquina nach San Pablo de Tiquina (oder umgekehrt) über.

Die Fahrt führt über die Halbinsel nahe der peruanischen  Grenze bis zum kleinen, touristisch aufgepeppten Ort Copacabana. Mit viel Phantasie könnte man sich einbilden, eine Miniaturausgabe der Copacabana Rios zu erkennen, aber man hält vergeblich Ausschau nach den Prunkbauten und Skyscrapern, den dortigen Favelas und der weißen Christusstatue. Und in Ermangelung des „Zuckerhutes“ hat dieses kleine Copacabana ersatzweise, aber immerhin, den Kalvarienberg.

Copa 1

Wir suchen uns einen Stellplatz am Seeufer und wundern uns beim Bummel in den Ort über die unzähligen schillernd-bunt geschmückten Wagen mit peruanischem und bolivianischem Kennzeichen, bis wir erfahren, daß hier tagtäglich Hunderte Autos in einer feierlichen Zeremonie von einem Priester bzw. Schamanen getauft werden. Dabei fließt reichlich Alkohol und unter den Wagen dürfen Böller und Knallfrösche gezündet werden. Nun gut. Wir halten Abstand.

Autotaufe 1

Dementsprechend bunt und quirlig ist das kleine Städtchen, das offensichtlich auch ein beliebtes Backpacker-Ziel zu sein scheint, da von hier aus Touren zur Isla del Sol und den Floating Islands in Peru starten. Am Seeufer kann man außerdem Tretboote in Form bunter Schwäne mieten, Strandausritte organisieren, sogar einen Jetski sichten wir. Währen dazwischen nicht weidende Schafe zu finden, dann könnte man sich am Gardasee glauben.

Flo ist ein Glückskind und kommt auch hier wieder in die Luft, allerdings erst nach einem schweißtreibenden Marsch auf den strandnahen Hügel, der erheblich höher ist als er von unten aus erscheint. In der dünnen Luft kostet der Aufstieg immense Kraft, aber er lohnt sich und Flo strahlt nach seiner Landung am Strand.

Die Jungs unternehmen per Boot einen ganztägigen Ausflug zur Isla del Sol, um dort auf den Spuren alter Inka Trails zu wandeln. Die 2 1/2 stündige Hinfahrt am frühen Morgen entpuppt sich als eiskalt. Tagsüber brennt die Sonner hier oben erbarmungslos und die Augen beginnen trotz Sonnenbrille bei der Helligkeit zu tränen, aber sobald sich eine Wolke davorschiebt wird es bitterkalt.

Die Nächte in dieser Höhe von rund 4.000 Metern sind recht unruhig. Das Herz pummpert gewaltig, um den Körper mit dem nötigen Sauerstoff zu versorgen, und dadurch kommt man  nicht gut in den Schlaf. In zwei aufeinanderfolgenden Nächten grollt dazu ein gewaltiges Gewitter mit Blitz und Donner über den See und die Jungs werden in ihrem Vorzelt in einer Nacht von streunenden aggressiven Hunden so stark belästigt, daß nur ein bedrohlich geschwungener Baseball-Schläger und ein Bombardement mit Kartoffeln Schlimmeres verhindert.

Der Titicaca-See ist 13x so groß wie der Bodensee und erscheint vielmehr wie ein großer Ozean. Das Ufer auf der gegenüberliegenden Seite ist nicht zu erkennen und nach den Gewittern setzte sogar Seegang mit weißen Schaumkrönchen ein. Wunderschön sind die Sonnenunter- und aufgänge, die mangels nahen Hindernissen hier sehr lange dauern. Als nach einer Vollmondnacht am nächsten Morgen die Sonne aufgeht ist die Stimmung über dem Meer – pardon See – zauberhaft.

Vollmonduntergang Copa

Für Yannic und Flo geht die Zeit in Bolivien langsam dem Ende zu und so verabschieden wir uns von Copacabana und machen uns auf den Rückweg nach La Paz.

Cats & Dogs

Flo und Yannic haben im Separee unseres Unimogs ihr Quartier aufgeschlagen, bekommen jede Nacht Besuch in ihrem Nachtlager und haben damit offensichtlich tierisch viel Spaß:

Sorata

Wir verlassen La Paz für einige Tage und fahren nach Sorata, tief in einem engen, aber fruchtbaren Tal östlich des bolivianischen Teils des Titicacasees gelegen. Die Fahrt führt durch das chaotische El Alto, das mit seiner Verkehrsdichte jede Sekunde unsere volle Konzentration beim Fahren erfordert, und anschließend über die Hochebene entlang der Cordillera, die unter dicken Regenwolken fast verschwindet. Nur ab und an zeigen sich die weißen Spitzen der 6.000er. Irgendwann sind auch wir in den Wolken verschwunden.

Über einen langen gewundenen Paß geht es dann kilometerlang abwärts.

Paß Sorata 1

Sorata liegt auf rund 2.600 Metern, eine willkommene Gelegenheit für uns, mal wieder etwas Sauerstoff zu tanken, bevor es für die nächsten Tage auf 4.000 Meter an den Titicacasee geht. Im Gegensatz zum kargen, staubigen Altiplano ist Sorata unglaublich grün. Überall dichte Vegetation, die Hänge sind bepflanzt und an den bunten Blüten von lila Jacaranda und rotem Hibiscus trinken kleine Kolibris.

Wir manövrieren den Unimog durch die engen Gassen des Städtchens und finden einen winzigen Stellplatz bei einem kleinen Hostel, zu dem auch eine Kuh und drei Ziegen sowie allerhand anderes Getier gehören. Sorata liegt unmittelbar am Fuß des mächtigen Illampu, aber sein weißer Gipfel mit über 6.000 Metern ist am ersten Tag nicht zu sehen. Er zeigt sich erst am nächsten Morgen in voller Pracht vor tiefblauem Himmel und ist zum Greifen nah.

Kein Wunder, daß der Ort vielen Bergsteigern als Basis zum Aufstieg dient, aber zum Kraxeln sind wir nicht ambitioniert genug. Wir bummeln durch den Ort und über den Markt, wo die Marktfrauen wie bräsige Buddhas inmitten ihrer Waren sitzen. Mindestens 100 Kilo schwer, versunken in ihren zahlreichen Röcken, Hut à la Pan Tau auf dem Kopf und so bewegungslos wie möglich. Bei einer Heilerin kann man sich den Puls messen, die Karten legen lassen und Kraut gegen jedwede Krankheit kaufen. Nach zwei Übernachtungen bugsieren wir den Unimog irgendwie wieder raus aus dem hoffnungslos verwinkelten Örtchen und kriechen den Paß mit dem Ziel Copacabana/Titicacasee wieder hoch auf 4.000 Meter.

El Camino de la Muerte – Death Road Bike Tour

An Hugos Geburtstag wünschen sich die Jungs Nervenkitzel der besonderen Art und buchen eine Downhill Tour über die Death Road, die 1995 von der Inter-American Development Bank als gefährlichste Straße der Welt „ausgezeichnet“ wurde. Ein sicherlich zweifelhafter Ruf, aber die Anzahl der tödlichen Unfälle spricht für sich. Die Straße verbindet die Stadt La Paz mit dem kleinen Ort Coroico, knapp 100 km nordöstlich von La Paz am Rand des Beni-Beckens, und war bis vor Kurzem die einzige befahrbare Verbindung zwischen Altiplano und Tiefland. PKW und LKW mussten sich auf max. 3,50 Meter Breite den 65 km langen La Cumbre-Paß herunter- bzw. heraufquälen. Heute gibt es für den Autoverkehr auf der gegenüberliegenden Bergflanke eine neue zweispurige Asphaltstraße, wobei die alte Straße immer noch eine Lebensader für die umliegenden Dörfer in den Yungas ist, da über sie die Lebensmittelversorgung erfolgt. Ganz autofrei ist die Death Road folglich nicht.

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Das Wetter ist gut für die Biketour und nach Materialprüfung geht es mit puckerndem Herzen los. Der Start ist auf 4.650 Meter Höhe, dem Scheitel des Abre La Cumbre. Der Anfang der Strecke ist unspektakulär und das schnelle Herabsausen verschafft den Fahrern den ersten Adrenalinrausch. Nach einer kurzen Pause in einem Örtchen an der Strecke verwandelt sich die Straße dann in eine einspurige echte Dirt Road mit vielen engen Haarnadelkurven, manchmal rutschigem Belag und Wasserdurchfahrten.

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Teilweise ist die Straße direkt in die steilen Felswände gehauen worden und zur Linken geht es tausend Meter tief hinunter ins grüne Dickicht. Nichts, was einen Fall stoppen könnte. Kaum vorstellbar, daß sich hier früher die Autos gezwungenermaßen aneinander vorbei quetschen mussten. Daß dies bei der halsbrecherischen Fahrweise der Bolivianer nicht immer gut ging zeigen die unzähligen Kreuze am Rand der Fahrbahn.

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Nachdem 65 km abwärts gerast, rund 3.500 Höhenmeter bewältigt sind und ein Tag voller Spaß, Spannung, Konzentration und Schweiß hinter ihnen liegt erreichen die Jungs das Städtchen Coroico mit seinem subtropischen Klima. Meine Helden haben es geschafft und dürfen sich offiziell jetzt „Survivors of the Death Road“ nennen … und mir fallen die Anden vom Herzen!

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In Sachen Fotos

Das Internet in Südamerika ist so dünn wie die Luft hier in den Anden, daher komprimieren wir die Fotos sehr stark auf 200 bis 500 kb. Die Qualität leidet darunter, ganz klar, aber ansonsten wären Uploads nicht möglich. Wenn Ihr die Bilder in einem größeren Format anschauen möchtet, dann klickt einfach auf das jeweilige Foto. Anschließend könnt Ihr Euch durch die jeweilige Galerie blättern.