Mitte November sind wir mit DerNachbar aus Düsseldorf in Santiago de Chile verabredet und wir wollen die Zeit bis dahin nutzen, ein oder auch zwei Gläschen argentinischen Rotwein zu trinken. Unser Plan ist, von Vicuna im Valle del Elqui dem Lauf des Rio Tubio nach Osten zu folgen, um nach 170 Kilometern auf einer Schotterpiste den Paso Agua Negra zu erreichen. Er ist mit 4.775 Metern der höchste befahrbare Grenzpaß zwischen Argentinien und Chile und einer der höchsten Pässe weltweit. Von dort möchten wir in einigen Bodegas rund um Mendoza das argentinische Herz des Weines erkunden, zur auch hier in Chile in kleinen Straßenaltären als Schutzpatronin aller Reisenden hochverehrten Difunta Correa fahren und dann über den Paso Cristo Redentor am Cerro Aconcagua vorbei wieder nach Chile einzureisen. Wir finden, daß das ein sehr schöner Plan ist, aber, wie sich herausstellt, leider nur in der Theorie… Zum Glück fällt uns in Vicuna noch rechtzeitig vor unserem Aufbruch ein, bei der Polizeistation nachzufragen, ob der Paso Agua Negra überhaupt um diese Jahreszeit schon geöffnet ist. Der Polizist schmunzelt unverholen, denn solche Fragen können wohl nur Gringos stellen. Der Paß ist, vorausgesetzt das Wetter zeigt sich freundlich, im Januar und Februar geöffnet, keinesfalls ist aber mit einer Öffnung vor Ende November/Anfang Dezember zu rechnen…
Wir basteln uns einen Plan B, der die weiter westlich verlaufende PanAm meidet und stattdessen über einsame Pisten von Vicuna aus durch das Tal des Rio Hurtado südwärts über Ovalle, Monte Patria, Combarbala und Illapel bis Los Vilos am Meer führt.
Mit Haarnadelkurven, die so eng sind, das wir rangieren müssen, und enormen Steigungen ist die Strecke anstrengend und anspruchsvoll zu fahren. Alle Bandscheiben bedanken sich einzeln und der Begriff „durchgesessen“ erhält eine neue, sehr plastische Bedeutung. Auf vielen Kilometern ist die steile Erdpiste ausgesetzt und über schwindelerregenden Abhängen gerade einmal so breit wie der Unimog. Mein Mantra auf dieser Strecke ist: „Es kommt uns niemand entgegen…Es kommt uns niemand entgegen…“
Alan Parson´s Project haben es seinerzeit so schön besungen:
What goes up…

… must come down.

So wie es bergauf geht, geht es auch bergab, aber wir schaffen es.
Dieses Land ist Saurierland. Archäologen entdeckten hier neben versteinerten Araukarienstämmen aus der Zeit, als hier noch Wälder wuchsen, auch über 10.000 Jahre alte Wandmalereien und Knochen verschiedener Saurier, u. a. des T-Rex, der mit knapp sieben Tonnen fast soviel wog wie unser Unimoppel. Die großen Tiere und Wälder sind verschwunden, geblieben ist eine Landschaft mit kargen Kakteenhügeln, den Anden im Hintergrund und Flußtälern, die sich der Mensch mehr und mehr versucht wirtschaftlich zu Nutze zu machen.
Die grünen Täler in der Halbwüste mit ihren kleinen Ortschaften geben einen schönen Eindruck in das traditionelle Leben der Bauern. Zumeist bestehen sie aus einer kleinen Ansiedlung pastellfarben gestrichener Adobehäuschen, einer Schule, einer Kirche, einer baumbestandenen Plaza mit Sitzbänken als Treffpunkt von Alt und Jung, einigen Obst- und Gemüsekiosken und einer Dorfschänke.
Während des Sommers finden an Samstagen und Sonntagen in einer halbmondförmigen Arena Rodeos statt, bei denen es darum geht, die größtmögliche Geschicklichkeit mit seinem Pferd zu beweisen. Ansonsten ist das Leben hier ruhig und richtet sich nach den Saat- und Erntezeiten. Uns gefällt besonders Combarbalá gut, die sich eigentlich durch nichts Besonderes auszeichnet oder von den anderen Dörfern der Umgebung abhebt, wenn da nicht, ja wenn da nicht … das Observatorio Astronómico Cruz del Sur wäre.