Das sonnige Tal des Rio Elqui östlich von La Serena birgt inmitten der Wüste mit ihren fast kahlen Bergen eine subtropische Oase. Auf den Terrassen des Flusses und an den eigentlich kargen, kakteenbestandenen Berghängen rund um die Städtchen Vicuna, Pisco Elqui und Horcon gedeihen hier durch das besondere Mikroklima unter anderem Papayas, Mangos, Chirimoyas, Lucumas, Pfirsiche, Erdbeeren, Spargel und die Trauben, die für einen guten Pisco, den chilenischen Traubenschnaps, erforderlich sind.
Die klimatischen Bedingungen und die mineralhaltigen Böden im Valle del Elqui bringen sehr süße und säurearme Muskatellertrauben hervor, die in genossenschaftlich organisierten Brennereien und Privatdestillerien zu Pisco mit 30 – 50%igem Alkoholgehalt verarbeitet werden. Der Pisco wird durch Hinzufügen von Limettensaft, Puderzucker und geschlagenem Eiweiß zum weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Nationalgetränk Pisco Sour veredelt, wobei auch Peru den Anspruch auf die Erfindung des Pisco erhebt und der Streit nach wie vor auf kleiner Flamme weiterköchelt.
Wir hatten den Pisco Sour schon mit Guadelupe und Paul in Tacna mehrfach getestet – sehr lecker – , aber für die Zukunft beschlossen, daß aufgrund der hohen Umdrehungen zwei Gläser mehr als genug sind.
Das Valle del Elqui und seine Nachbartäler sind auch Heimat unserer gefiederten Freunde, die wir seit dem bolivianischen Teil des Pantanals nicht mehr in freier Natur gesehen haben. Wir entdecken eine etwas kleinere, aber nicht minder lautstarke Art von Papageien mit khakigrünem Gefieder, wobei der Bauch gelb-orange leuchtet. Ein ganzer Schwarm zieht kreischend über uns hinweg, als wir im bis auf einen kümmerlichen Tümpel fast völlig ausgetrockneten Stausee von Vicuna campieren, und auch später entdecken wir die bunten Vögel bis hinauf in 1.500 Metern.
Wir erfahren, daß es in dieser Region seit fünf Jahren nicht mehr geregnet hat und der Wassermangel zunehmend prekärer wird, da der wirtschaftliche Erfolg dieser Region unmittelbar von der Versorgung der Anbauflächen mit Wasser abhängt. Jeder Quadratmeter im Tal wird bereits landwirtschaftlich genutzt und die Weinreben ziehen sich die ansonsten kargen Hänge hoch. Die Bewässerung erfolgt durch Hochpumpen des Wassers aus dem Rio Elqui und des Grundwassers. Die Folgen sind jetzt schon sichtbar: Der Rio Elqui ist nur noch ein dünnes Rinnsal.
Eine weitere Attraktion in dieser Gegend ist die Vielzahl an Observatorien, die wie gestrandete Ufos in der Sonne glitzernd auf den Kuppen der Berge thronen.

Der Himmel über der Wüste ist hier besonders klar, da die Inversionsschicht des Küstennebels alle Staubpartikel, die sonst die Lichtdurchlässigkeit der Atmosphäre stören würden, auf rund 1.000 Höhenmetern in der Luft bindet. An 350 Tagen bzw. vielmehr Nächten im Jahr ist der Himmel hier zwischen Küste und Andenkette wolkenlos und staubfrei. Im Observatorium Cerro Paranal hatten wir kein Glück, aber wir können uns im Büro des Observatoriums del Pangue, rund 17 Kilometer südlich von Vicuna, für eine Besichtigung anmelden. Unsere Freude währt jedoch nur kurz, denn am späten Nachmittag ziehen Wolken auf, die sich zunehmend verdichten. Erst wird die Tour von 21.00 Uhr auf 23.00 Uhr verschoben, dann ganz abgesagt. Als Ausgleich bescheren uns die Himmelgötter einen unvergleichlich schönen Sonnenuntergang. Zuerst färben sich die von der Abendsonne angestrahlten Berge in zartem Rosaorange, dann zieht von der Küste eine dichte, dreidimensionale Wolkendecke über das Tal und taucht die Landschaft in dramatisches Orange-Violett. Christkindchen backt…auch hier in Chile.
Wir verbringen die Nacht vor den Toren des Observatoriums und hoffen inständig, daß sich bis zum nächsten Tag die Wolken verzogen haben und die Tour nachgeholt werden kann. Der Himmel am Tag darauf ist auch von strahlendem Blau und kristallklar, aber wir freuen uns zu früh. Es geht auf Vollmond zu, und weil viel Mondlicht die Sichtbarkeit anderer Objekte am Himmel zu sehr trübt, gibt es in den nächsten Tagen keine Führungen. Wir geben auf – vorläufig.