Wir sind in La Serena angekommen und haben das Gefühl, an der Adriaküste oder der Costa Brava zu sein. Die Stadt hat sich, zusammen mit der Nachbarstadt Coquimbo, in den vergangenen Jahren zu einem angesagten Sommerresort der wohlhabenderen Chilenen entwickelt. La Serena liegt in einer weitläufigen halbmondförmigen Bucht und ist mit Coquimbo durch einen breiten, gut acht Kilometer langen Sandstrand verbunden, der von der Avenida del Mar gesäumt wird. An der waterfront reiht sich ein moderner, zum Glück meistens sehr geschmackvoller, Wohnkomplex an den nächsten, nur unterbrochen von einigen Restaurants und Cafes. Wir sind noch außerhalb der Saison da und teilen uns den Strand mit nur wenigen anderen Menschen. In den mäßig hohen, eiskalten Wellen tummeln sich hartgesottene Surfer und Seevögel, ein Handvoll Angler fischt vom Strand aus, Spaziergänger bummeln durch den Sand und auf der Promenade sind Jogger und Radfahrer in trendigen Outfits unterwegs.
Wir fahren die Küste noch dreißig Kilometer weiter südlich von Coquimbo und spekulieren auf einen schönen Platz für die Nacht an einem der kleineren Strände, aber wir geben irgendwann resigniert die Suche auf und kehren um. Jedes schöne Fleckchen am Meer ist umzäunt und als Privatgelände gekennzeichnet; kein Durchschlupf ist hier zu finden, schon gar nicht mit unserem weißen Elefanten. Wie so oft an den schönen Orten auf dieser Welt ist der Kuchen auch hier vergeben, und zwar zu einhundert Prozent. Zurück in La Serena bleiben wir auf einem Platz an der Strandpromenade, sicherlich nicht schlecht, aber wir sind inzwischen etwas verwöhnt.
Bei einem Ausflug auf den Cerro Grande können wir die gesamte Bucht von La Serena bis hinüber nach Coquimbo überblicken. Ähnlich wie Iquique liegt La Serena langgezogen auf einem schmalen Streifen zwischen dem Pazifik und den Bergen. Am Fuße des Cerro Grande liegen zahlreiche gated communities neueren Datums und die dort stehenden Villen könnten auch durchaus in Hollywood stehen:
Coquimbo präsentiert sich weniger prätentiös. Der Name bedeutet in der Sprache der Diaguita-Indianer, die hier früher lebten, „ruhiges Wasser“. Heute leben in der quirligen Hafenstadt rund 200.000 Menschen. Schon aus großer Entfernung ist das Wahrzeichen Coquimbos sichtbar: Auf dem höchsten Punkt der Stadt wurde zum 2000ten Jahrestag von Christi Geburt aus Beton das 63 Meter hohe Cruz del Tercer Milenio errichtet. Über Geschmack lässt sich doch streiten…









