{"id":855,"date":"2014-07-18T22:53:01","date_gmt":"2014-07-18T20:53:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/?p=855"},"modified":"2014-07-19T00:46:37","modified_gmt":"2014-07-18T22:46:37","slug":"kein-guter-tag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/?p=855","title":{"rendered":"Kein guter Tag"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin gerade dabei, in einem wohltemperierten blitzsauberen und mit Waren mehr als gut best\u00fcckten Supermarkt ganze Berge voll T\u00fcten von Haribo-Vampiren in den Einkaufswagen zu werfen, als jemand lautstark an die T\u00fcr unseres Unimogs h\u00e4mmert und uns unsanft aus dem Traum rei\u00dft. Es ist der Wachdienst der Tankstelle au\u00dferhalb von Santa Cruz, an der wir mangels anderer Stellm\u00f6glichkeiten abends sp\u00e4t noch gestrandet sind. Es ist kurz nach sieben Uhr morgens und wir sollen verschwinden. Kein guter Anfang f\u00fcr einen neuen Tag.<\/p>\n<p>Wir sind auf dem Weg nach Cochabamba und haben uns f\u00fcr die alte Hochlandroute entschieden, die sch\u00f6ner sein soll als die neue Route durch die Tiefebene, aber auch erheblich langsamer. Wieviel langsamer die Fahrt schlussendlich werden soll wissen wir zu diesem fr\u00fchen Zeitpunkt noch nicht. Tagesziel ist Samaipata, nur rund 130 km von Santa Cruz in westlicher Richtung auf einer H\u00f6he von 1.600 Metern gelegen. Unser erster kleiner Andenpass steht an.<\/p>\n<p>Auf der Fernstra\u00dfe in Richtung Berge l\u00e4uft uns dann unversehens ein gro\u00dfer Hund vor die R\u00e4der. Wir haben keine Chance auszuweichen und auch der Bremsversuch unserer 7,5 Tonnen geht schief. So gibt es leider ein Todesopfer. Ein paar Kilometer weiter stehen wir dann mit unz\u00e4hligen schwer beladenen LKW unvermittelt im Stau.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Stau-bei-Angostura.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-801\" src=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Stau-bei-Angostura-300x225.jpg\" alt=\"Stau bei Angostura\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Stau-bei-Angostura-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Stau-bei-Angostura-600x450.jpg 600w, http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Stau-bei-Angostura-624x468.jpg 624w, http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Stau-bei-Angostura.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>In einer ersten Information hei\u00dft es, da\u00df es am milit\u00e4rischen Kontrollposten Fahrzeugchecks gibt, welche in Bolivien durchaus \u00fcblich sind, auch bei den einheimischen Fahrzeugen (noch so eine Schikane). Wir stehen und stehen und es geht nicht weiter. Ab und an darf ein Wagen vor rollen, dann geht wieder Ewigkeiten gar nichts. Wir schnappen eine neue und diesmal zutreffende Information auf: Durch die Regenf\u00e4lle der letzten Tage ist der Berg aufgeweicht und der Pa\u00df ist in einem l\u00e4ngeren Abschnitt von einer Schlammlawine begraben. F\u00fcr LKW mit guter Bereifung ist er nach Aussage einiger LKW-Fahrer wohl langsam passierbar, also sind wir guter Dinge, da\u00df wir in absehbarer Zeit durchkommen. Stunde um Stunde vergeht und schleppend bewegt sich die inzwischen Kilometer lange Kolonne voran. Wir vertreiben uns die Zeit mit den Simpsons.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Stau-mit-den-Simpsons.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-800\" src=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Stau-mit-den-Simpsons-300x225.jpg\" alt=\"Stau mit den Simpsons\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Stau-mit-den-Simpsons-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Stau-mit-den-Simpsons-600x450.jpg 600w, http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Stau-mit-den-Simpsons-624x468.jpg 624w, http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Stau-mit-den-Simpsons.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Langsam wird f\u00fcr uns das ganze Ausma\u00df der Verw\u00fcstung sichtbar: Die Passstra\u00dfe ist \u00fcber mehrere Kilometer unter einer dicken Schlammschicht begraben. Die \u00fcberladenen bolivianischen LKW mit ihren teilweise restlos abgefahrenen Profilen haben bergauf keine Chance, versuchen es aber nat\u00fcrlich trotzdem und orgeln mit hochjagenden Motoren wild im z\u00e4hen Matsch. Mittlerweile ist es mittags und den Gedanken an Umkehr m\u00fcssen wir verwerfen, da der Pa\u00df an keiner Stelle auch nur halbwegs breit genug ist, um den Unimog zu wenden. Etliche LKW haben schon aufgegeben, blockieren nun die Fahrbahn und erschweren die Fahrman\u00f6ver auf der rutschigen Oberfl\u00e4che noch zus\u00e4tzlich. Es werden gro\u00dfe Raupen herangeschafft, um die LKW \u00fcber die kritischen Meter zu ziehen, abwechselnd einer bergauf und bergab. Anstatt in der Schlange mitzufahren versuchen ungeduldige Fahrer leichterer 4&#215;4 PKW und auch einige Busse an der Schlange vorbeizufahren. Klares Signal dieser von der Wand bis zur Tapete denkenden Idioten, die es in jedem Land der Welt gibt: ICH bin ja soviel wichtiger als du.<\/p>\n<p>In logischer Konsequenz kommt der Verkehr durch die von oben entgegen rutschenden Wagen nun vollst\u00e4ndig zum Erliegen. Zwischen den LKW laufen Menschen im Schlamm herum: Trucker, die teilweise mit ihren gesamten Familien unterwegs sind, Frauen und Kinder aus dem Dorf, die inzwischen in ihren Flip-Flops den Pa\u00df hochgestiegen sind, um den Wartenden Essen und Getr\u00e4nke zu verkaufen, von irgendwoher taucht pl\u00f6tzlich ein Fernsehteam auf.<\/p>\n<p><iframe src=\"\/\/player.vimeo.com\/video\/100936696\" width=\"625\" height=\"352\" frameborder=\"0\" title=\"Andenpass - die erste\" webkitallowfullscreen mozallowfullscreen allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Das Chaos ist perfekt und langsam wird es dunkel. Wir haben die Hoffnung l\u00e4ngst aufgegeben, Samaipata bei Tageslicht zu erreichen; f\u00fcr die letzten vier Kilometer haben wir acht Stunden gebraucht. Irgendwann, als es schon stockfinster ist, haben wir dann die Schlammpiste geschafft und es folgen lange Abschnitte mit Steinschlag, am Stra\u00dfenrand liegen Felsbrocken so gro\u00df wie Doppelgaragen. Gut, da\u00df wir in der Dunkelheit nicht sehen k\u00f6nnen, wie viele Meter es seitlich der Piste senkrecht abw\u00e4rts geht.<\/p>\n<p>Dann kommt es wie es kommen mu\u00df: Uns \u00fcberholt pl\u00f6tzlich ein eiliger Overlander vor einer uneinsehbaren Kurve und prompt kommt Gegenverkehr von oben. Statt abzubremsen schneidet uns der Bus brutal, um sich vor uns in die nicht vorhandene L\u00fccke zu quetschen und hakt sich bei voller Geschwindigkeit von hinten in unsere vordere Sto\u00dfstange. Au\u00dfer einem kurzzeitig beschleunigten Puls, der sich in einem Schwall \u00fcbelster Verw\u00fcnschungen entl\u00e4dt, passiert zum Gl\u00fcck nichts. Der Overlander h\u00e4lt noch nicht einmal an.<\/p>\n<p>Wir erreichen Samaipata zwar noch am gleichen Tag, aber es ist schon 22.00 Uhr und so stellen wir uns mit dem Unimog in eine ruhige Seitenstra\u00dfe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin gerade dabei, in einem wohltemperierten blitzsauberen und mit Waren mehr als gut best\u00fcckten Supermarkt ganze Berge voll T\u00fcten von Haribo-Vampiren in den Einkaufswagen zu werfen, als jemand lautstark an die T\u00fcr unseres Unimogs h\u00e4mmert und uns unsanft aus dem Traum rei\u00dft. 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