{"id":4184,"date":"2015-07-15T19:23:13","date_gmt":"2015-07-15T17:23:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/?p=4184"},"modified":"2015-07-15T21:03:16","modified_gmt":"2015-07-15T19:03:16","slug":"blick-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/?p=4184","title":{"rendered":"Blick zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>Unser Luxusjahr ist um &#8211; schon &#8211; und wir werfen einen Blick zur\u00fcck. Auf Altweiberdonnerstag starten wir in <em>D\u00fcsseldorf<\/em> mit dem <em>Hamburger Hafen<\/em> als Tagesziel. Auf dem letzten Foto sind wir als <em>Teufelchen<\/em> und <em>Biene Maja<\/em> zu sehen. Dann der Abschied von der Familie, der Schmerz ist gro\u00df, sitzt wie ein Widerhaken in der Seele, l\u00e4\u00dft Tr\u00e4nen hemmungslos flie\u00dfen. F\u00fcr einen Moment sind selbst Hugo und ich fassungslos, da\u00df unser Abenteuer jetzt wirklich losgehen soll. So viele Monate haben wir darauf hingearbeitet, jetzt ist der Augenblick pl\u00f6tzlich gekommen.<\/p>\n<p>Ist die Entscheidung, unsere Jobs aufzugeben und unsere Familien vor\u00fcbergehend zu verlassen, um unseren Lebenstraum zu verwirklichen, die richtige? Mut und Dummheit sind bekanntlich Geschwister. Sind wir mutig? Oder doch nur dumm? Wird sich das Abenteuer als zu gro\u00df f\u00fcr uns erweisen? Wir brechen auf mit einem gro\u00dfen Koffer voller Fragen an Bord. In Hamburg gehen wir am n\u00e4chsten Tag an Bord der <em>Grande San Paolo<\/em>. Das Abenteuer kann beginnen.<br \/>\nVor uns liegen 3 \u00bd Wochen \u00dcberfahrt bis<em> Montevideo<\/em>. Glauben wir &#8211; noch. In der Einfahrt zur <em>Biscaya<\/em> ist bereits kurze Zeit sp\u00e4ter vorl\u00e4ufig Schlu\u00df. Ein starker Sturm hindert uns an der Weiterfahrt und wir m\u00fcssen ihn zwei Tage auf Reede abwettern, bis sich die aufgew\u00fchlte See halbwegs beruhigt und die Wellenberge gelegt haben.<\/p>\n<p>\u00dcber <em>Leixoes<\/em> und <em>Casablanca<\/em> geht es weiter nach <em>Dakar<\/em>. Wir erfahren, da\u00df sich das Routing ge\u00e4ndert hat und die <em>Grande San Paolo<\/em> einen Umweg \u00fcber <em>Luanda\/Angola<\/em> fahren wird. Die Reise wird also deutlich l\u00e4nger dauern. Vor uns liegen sieben Seetage bis <em>Luanda<\/em>, von dort aus weitere neun nonstop bis <em>Paranagua<\/em>. Die Atlantik\u00fcberfahrt ist ruhig und ereignislos, die Wolken h\u00e4ngen tief \u00fcber der See, ab und an bekommen wir Besuch von Delfinen und Walen. Kaffee, Obst und Gem\u00fcse werden an Bord knapp und rationiert. Entbunden von allen Rechten und Pflichten f\u00fcgen wir uns ins Nichtstun und lassen uns treiben. Wir sind losgel\u00f6st von Raum und Zeit.<\/p>\n<p>Von <em>Paranagua<\/em> geht es zun\u00e4chst an <em>Montevideo<\/em> zur Rechten und <em>Buenos Aires<\/em> zur Linken vorbei durch das gro\u00dfe Flu\u00dfdelta nach <em>Zarate, <\/em>anschlie\u00dfend erst nach <em>Montevideo.<\/em> Dann morgens beim Aufwachen eine &#8222;b\u00f6se&#8220; \u00dcberraschung: Wir fahren wieder mit Kurs auf Afrika. Nein, man hat nicht vergessen, uns abzusetzen, wie wir zun\u00e4chst bef\u00fcrchten, sondern der Sturm ist so schlimm geworden, da\u00df kein Schiff den Hafen von <em>Montevideo<\/em> anlaufen kann. Wir kreisen mit rund siebzig anderen Schiffen die K\u00fcste 200 Kilometer rauf und runter, Tag und Nacht, Tag und Nacht. Dann, nach insgesamt 6 \u00bd Wochen, d\u00fcrfen wir endlich von Bord der <em>Grande San Paolo<\/em> rollen.<\/p>\n<p>Wir sammeln erste sch\u00f6ne Erfahrungen mit Land und Leuten in <em>Uruguay<\/em> und \u00e4ndern spontan unseren Plan. Wir fahren nach <em>Brasilien<\/em>, erst ein St\u00fcck die K\u00fcste mit ihren sch\u00f6nen einsamen Str\u00e4nden hinauf, dann nach <em>Florianopolis<\/em>, von dort aus quer durch das Land nach <em>Iguacu<\/em> zu den Wasserf\u00e4llen, sp\u00e4ter durch die reiche Tierwelt des noch unter Wasser stehenden <em>Pantanals<\/em> mit seinen Ameisenb\u00e4ren, Tapiren und Caymanen.<\/p>\n<p><em>Bolivien<\/em> beeindruckt uns mit seinen gigantischen Andengipfeln, der klaren Luft, dem leuchtend t\u00fcrkisfarbenen <em>Titicacasee<\/em> und der fast be\u00e4ngstigenden Leere und Einsamkeit der Salzseen und Hochebenen \u00fcber 4.000 Metern. <em>Bolivien<\/em> fordert uns zugleich stark: Die Pisten sind schlecht bis nicht vorhanden, die Einheimischen auf dem <em>Altiplano<\/em> im Umgang schwierig und die H\u00f6henanpassung ist anstrengend. Wir trinken und essen wie k\u00f6rperliche Schwerstarbeiter, aber als wir <em>Bolivien<\/em> Richtung <em>Peru<\/em> verlassen sind wir f\u00fcnf Kilo leichter.<\/p>\n<p>Dann ist es schon August und der Besuch unserer Kinder, <em>Florian<\/em> und <em>Dina<\/em>, steht an. So wird die Zeit bis zum Wiedersehen nicht ganz so lang und wir freuen uns sehr auf die gemeinsamen Wochen.<\/p>\n<p><em>Cusco<\/em> und <em>Machu Picchu<\/em> in <em>Peru<\/em> zeigen sich von ihrer sch\u00f6nsten Seite und halten, was ihr Mythos verspricht. In <em>Tacna<\/em> wird unser Wagen aufgebrochen und f\u00fcr ein paar Tage sind wir G\u00e4ste nicht nur bei der Polizei, sondern auch die <em>Breaking News<\/em> in den lokalen Medien. Von der hier in Europa fast unbekannten w\u00fcstenhaften <em>Paracas<\/em>-Halbsinsel m\u00f6chten wir kaum noch weg.<\/p>\n<p><em>Chile<\/em> fahren wir vom ersten Meter im Norden der eint\u00f6nig rotbraunen <em>Atacama<\/em>-W\u00fcste bis zum letzten Meter der schlagloch\u00fcbers\u00e4ten <em>Carretera Austral<\/em> durch den immergr\u00fcnen valdivianischen Regenwald hinunter bis zum patagonischen Eisfeld, dann geht es noch weiter durch die windige Ein\u00f6de Feuerlands. Das Land der schneebedeckten Vulkane zeigt sich in jeder Hinsicht von seiner besten Seite: Spektakul\u00e4re Landschaften wechseln sich in kurzer Folge ab und die Menschen sind absolut liebenswert.<\/p>\n<p>Die Weite und Leere der <em>argentinischen Pampa<\/em> dagegen l\u00e4\u00dft uns schrumpfen. In dem ewigen Wind und nur von B\u00fcschelgras umgeben haben wir das Gef\u00fchl, weggeblasen und wie ein Staubkorn zerrieben zu werden. In <em>Ushuaia<\/em>, am s\u00fcdlichsten Punkt des Kontinentes, sind wir gef\u00fchlt am Ende der Welt und erleben den <em>Beagle<\/em>-Kanal bei allersch\u00f6nstem Wetter \u2013 wir haben unversch\u00e4mtes Gl\u00fcck.<\/p>\n<p>Entlang der Ostflanke der Anden besuchen wir den Nationalpark <em>Los Glaciares<\/em>, die alten W\u00e4lder bei <em>Bariloche<\/em>, die gro\u00dfen Weinanbaugebiete rund um das hei\u00dfe <em>Mendoza<\/em>, den staubigen Saurierspielplatz von<em> Ischigualasto<\/em> und die verschwiegenen wundersch\u00f6nen Hocht\u00e4ler westlich von<em> Salta<\/em>.<\/p>\n<p>Gibt es einen Ort, der besonders sch\u00f6n ist? Der alles andere toppt? Diese Frage wird uns oft gestellt und die wir ehrlich nur mit\u201c nein\u201c beanworten k\u00f6nnen. Wir haben viele sch\u00f6ne Pl\u00e4tze, Orte und Landschaften erlebt, aber einen Favoriten gibt es nicht. W\u00fcrden wir einen Ort zum Favoriten erkl\u00e4ren, w\u00fcrden wir Tausend anderen damit Unrecht tun.<\/p>\n<p>F\u00fcr Hugo waren seine Fl\u00fcge mit dem Drachen und Gleitschirm die Highlights der Reise, ganz besonders in <em>La Paz<\/em> vor den schneebedeckten Andengipfeln auf 5.300 Metern, im goldenen Licht des Sonnenuntergangs bei <em>El Bols\u00f3n<\/em>, \u00fcber der gro\u00dfen Sandd\u00fcne von <em>Iquique<\/em> an der chilenischen K\u00fcste und in <em>Ushuaia<\/em> oberhalb des <em>Beagle<\/em>-Kanals, im Blick die zerkl\u00fcfteten Gipfel der Kordilleren.<\/p>\n<p>Mich haben die spektakul\u00e4ren Wasserf\u00e4lle von <em>Iguacu<\/em> tief beeindruckt. Da\u00df sie sch\u00f6n sind, wu\u00dfte ich von vielen Dokumentationen, aber gleich soooo sch\u00f6n\u2026 Ein \u201eMu\u00df\u201c f\u00fcr jeden Brasilienurlaub! Gleiches gilt f\u00fcr <em>Machu Picchu<\/em>: Meine Erwartungshaltung war gro\u00df und ich hatte Angst, entt\u00e4uscht zu werden, aber der Magie dieses Ortes kann man sich wirklich nicht entziehen.<\/p>\n<p>Mein Herz \u2026 mein Herz habe ich aber an die unber\u00fchrte Sch\u00f6nheit <em>Patagoniens<\/em> verloren, an die blau-leuchtenden Gletscher und Eisfelder, die einsamen Str\u00e4nde, die Stille des immergr\u00fcnen kalten Regenwaldes, das sich st\u00e4ndig wandelnde Gesicht des Himmels, an das einfache Leben in der Natur, an das Licht. Hier h\u00e4tte ich bleiben k\u00f6nnen. Hierher werden wir zur\u00fcckkehren. Irgendwann.<\/p>\n<p>Wir haben auf unserer Reise viel erlebt und ja, es war ein Abenteuer in mancher Hinsicht. Unbekannte L\u00e4nder und Kulturen, jeden Tag neue fremde Menschen, fremde Sprachen, Leben auf engstem Raum, oft bei widrigen Wetterverh\u00e4ltnissen. Immer wieder Unvorhergesehens, immer wieder neue Herausforderungen. Dabei begegnet man unweigerlich auch sich selbst. Das mu\u00df man aushalten.<\/p>\n<p>Wir haben viel gesehen, und doch so wenig. Der Kontinent ist riesig und die Distanzen sind nicht mit denen in unserem kleinen Europa zu vergleichen. <em>S\u00fcdbrasilien, Bolivien, Peru, Chile, Uruguay, Argentinien<\/em> haben wir auf dieser Tour bereist; gerne m\u00f6chten wir noch die L\u00e4nder im Norden des Kontinents kennen lernen. Sie warten schon auf uns und Unimoppel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Luxusjahr ist um &#8211; schon &#8211; und wir werfen einen Blick zur\u00fcck. Auf Altweiberdonnerstag starten wir in D\u00fcsseldorf mit dem Hamburger Hafen als Tagesziel. Auf dem letzten Foto sind wir als Teufelchen und Biene Maja zu sehen. 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