{"id":3938,"date":"2015-03-17T16:41:54","date_gmt":"2015-03-17T14:41:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/?p=3938"},"modified":"2015-03-19T03:58:55","modified_gmt":"2015-03-19T01:58:55","slug":"sintflut","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/?p=3938","title":{"rendered":"Sintflut"},"content":{"rendered":"<p>Wir verlassen, dieses Mal endg\u00fcltig, die <em>Valles Calchaqui\u00e9s<\/em> und st\u00fcrzen uns fast zweitausend Meter tief in Serpentinen durch die dicht bewaldeten<em> Yungas<\/em> bis in die fruchtbare und dicht besiedelte Ebene von <em>Tucum\u00e1n<\/em>. Hier erstreckt sich die einzige nicht w\u00fcstenhafte Region des argentinischen Nordwestens.<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 33%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-3938 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/?attachment_id=3823'><img width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240305-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" decoding=\"async\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/?attachment_id=3822'><img width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240295-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" decoding=\"async\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/?attachment_id=3821'><img width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240289-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" decoding=\"async\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n<p>Ab hier liegt eine lange Strecke \u00fcber asphaltierte Fernstra\u00dfen durch l\u00e4ndliche Gebiete vor uns. Die Stra\u00dfen sind relativ frei von Schlagl\u00f6chern, aber daf\u00fcr voller Zentimeter tiefer Spurrillen, die die schweren LKW in den von der Sonne angeschmolzenen Asphalt gegraben haben. Wir fahren an Soja-, Bohnen-, Mais- und Zuckerrohrfeldern vorbei, die schon fast die Ausma\u00dfe der Plantagen in Brasilien haben. <em>Jard\u00edn del pa\u00eds<\/em>, Garten des Landes, nennen die Argentinier dieses St\u00fcckchen Erde.<\/p>\n<p>In den Hocht\u00e4lern zwischen der Kordillere und dem Andenhauptkamm brannte die Sonne, hier dagegen ist der Himmel \u00fcber uns von gro\u00dfen grauen Wolken bedeckt, die von der Andenkordillere am Weiterziehen gehindert werden und sich an ihrer Ostflanke stauen. Die ersten Vorboten der Schlechtwetterfront hatten wir schon in<em> Salta<\/em> gesehen, jetzt entladen sich die himmlischen Wasserspeicher und es regnet fast nonstop. Die <em>Salinas Grandes<\/em> und <em>Salinas de Ambargasta<\/em> n\u00f6rdlich von <em>Cordoba<\/em> stehen bereits unter Wasser, als wir zwischen ihnen hindurch fahren.<\/p>\n<p>Am fr\u00fchen Abend erreichen wir die n\u00f6rdliche Peripherie des Gro\u00dfraums<em> Cordoba<\/em>. Es regnet noch immer. Wir haben vor, noch rund siebzig Kilometer weiter nach<em> La Cumbre<\/em> zu fahren, um dort die n\u00e4chsten Tage in den <em>Sierras<\/em> zu fliegen, aber die Anfahrt gestaltet sich als schwierig bis unm\u00f6glich. Unser erster Versuch scheitert, weil alle Stra\u00dfen \u00f6stlich der <em>Sierras<\/em> von der Polizei bereits gesperrt sind. Fl\u00fcsse sind \u00fcber die Ufer getreten und f\u00fchren roten, aufgew\u00fchlten Schlamm in ihren Fluten, Felder und Wiesen stehen komplett unter Wasser, die Pisten sind zu Matsch aufgeweicht und in den Bergen drohen Erdrutsche, Schlammlawinen und Steinschlag. Wir fahren zur\u00fcck und suchen eine weitr\u00e4umige Umgehung.<\/p>\n<p>Als die Sonne fast untergegangen ist f\u00e4rbt sich der Himmel in einem bedrohlichen Gr\u00fcn-Schwarz. Minuten sp\u00e4ter ist die Gewitterfront mit voller Wucht da. Vor uns am Horizont zuckt ein gewaltiger Blitz aus den Wolken, steht wie ein gl\u00fchender Pfeil in der Luft und teilt den Himmel sekundenlang in zwei H\u00e4lften, bevor er in den Boden einschl\u00e4gt. Der Strahl aus purer Energie mu\u00df mehrere Meter breit gewesen sein und der Donnerschlag, der darauf folgt, ist ohrenbet\u00e4ubend laut.<\/p>\n<p>Wir versuchen, trotz des vielen Wassers von oben, uns unserem Ziel <em>La Cumbre<\/em> irgendwie zu n\u00e4hern, aber der Umweg erweist sich ebenfalls als nicht fahrbar, auch nicht mit 4&#215;4 oder Unimog. Die Polizisten an den neuralgischen Verkehrspunkten haben die Stra\u00dfen in die Richtung komplett abgeriegelt und raten uns zu einer anderen, noch weitr\u00e4umigeren Umfahrung von <em>Cordoba<\/em>, um auf die andere, die westliche Seite der <em>Sierras<\/em> zu gelangen. Von dort k\u00f6nnten wir dann von S\u00fcden her <em>La Cumbre<\/em> ansteuern. Weitr\u00e4umig bedeutet einen Umweg von mindestens 150 bis 200 Kilometern\u2026 Inzwischen ist es stockfinster, und so beschlie\u00dfen wir, die Nacht an der Tanke zu verbringen und abzuwarten, was der neue Tag bringt. \u00dcber Nacht setzt sich der Regen in unverminderter St\u00e4rke fort und trommelt in lautem Stakkato auf unser Kabinendach. Als ich am n\u00e4chsten Morgen aus dem Kabinenfenster schaue traue ich meinen Augen nicht: Wo gestern noch die Stra\u00dfe war \u2026 schwimmt heute eine Ente! Ohne Quatsch. Die Fernstra\u00dfe hat sich in einen braunen Flu\u00df verwandelt, der Schlamm, \u00c4ste und Gestr\u00fcpp mit sich f\u00fchrt. Der potenzielle Umweg ist somit auch verbaut, wir sitzen vorl\u00e4ufig fest. Einige andere Wagen hat das gleiche Schicksal ereilt.<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-2 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-2 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 33%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-2 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-2 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-2' class='gallery galleryid-3938 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/?attachment_id=3828'><img width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240334-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" decoding=\"async\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/?attachment_id=3827'><img width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240332-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" decoding=\"async\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/?attachment_id=3829'><img width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240343-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" decoding=\"async\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n<p>Bei einem Kaffee an der Tankstelle tauscht man sich aus, alle sind unaufgeregt und nehmen die Situation mit Gelassenheit. Von der Polizei, die eine \u201eEinsatzzentrale\u201c direkt an der Tankstelle eingerichtet hat, erfahren wir, da\u00df die \u00dcberschwemmungen bisher ungekannte Ausma\u00dfe angenommen haben. Die gesamten Provinzen <em>Santiago del Estero<\/em>, <em>Salta<\/em>, <em>Tucuman<\/em>, <em>Santa Fe<\/em> und <em>Cordoba<\/em> sind von der Katastrophe betroffen, ganze Stra\u00dfenabschnitte wurden weggesp\u00fclt, Br\u00fccken sind eingest\u00fcrzt, das Handynetz ist ausgefallen, WiFi geht nicht mehr\u2026 Bei den Einsatztruppen herrscht h\u00f6chste Alarmbereitschaft.<\/p>\n<p>Beim Fr\u00fchst\u00fcck stellen wir \u00dcberlegungen an, wie wir den Unimog am geschicktesten zu einer <em>Arche Noah<\/em> umbauen. Am besten f\u00e4llen wir mit unserer Axt und S\u00e4ge ein paar der umstehenden gro\u00dfen B\u00e4ume, schnallen den Wagen einfach auf das improvisierte Flo\u00df und sammeln dann paarweise die Tiere: zwei Llamas, zwei Esel, zwei Schafe, zwei G\u00fcrteltiere, zwei Papageien, zwei Schlangen\u2026<\/p>\n<p>Es ist leicht, zu frotzeln, wenn man wie wir sicher und im Trockenen sitzt. Wenn wir an die Menschen und ihre einfachen Behausungen auf dem Land entlang der gefahrenen Strecke denken, wird uns ganz anders zumute. Tausende bringen sich vor den Fluten in Sicherheit, zw\u00f6lf Menschen verlieren ihr Leben. Tage sp\u00e4ter schickt uns DerNachbar einen Link; auch in Deutschland wurde \u00fcber die Katastrophe berichtet:<\/p>\n<p>http:\/\/www.spiegel.de\/fotostrecke\/argentinien-hochwasserkatastrophe-in-cordoba-fotostrecke-124490.html<\/p>\n<p>Im Laufe des Tages l\u00e4sst der Regen nach und das Wasser beginnt abzulaufen. Gegen 18.00 Uhr gibt die Polizei Teilentwarnung. Auch wenn die Stra\u00dfen noch unter Wasser stehen: PKW m\u00fcssen weiterhin warten, aber LKW mit gro\u00dfen Reifen d\u00fcrfen fahren, und so starten wir den Motor in der Hoffnung, heute <em>La Cumbre<\/em> zu erreichen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240345.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3830\" src=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240345-300x225.jpg\" alt=\"P1240345\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240345-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240345-600x450.jpg 600w, http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240345-624x468.jpg 624w, http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240345.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir verlassen, dieses Mal endg\u00fcltig, die Valles Calchaqui\u00e9s und st\u00fcrzen uns fast zweitausend Meter tief in Serpentinen durch die dicht bewaldeten Yungas bis in die fruchtbare und dicht besiedelte Ebene von Tucum\u00e1n. 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