{"id":3754,"date":"2015-03-09T00:51:58","date_gmt":"2015-03-08T22:51:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/?p=3754"},"modified":"2015-03-09T00:57:05","modified_gmt":"2015-03-08T22:57:05","slug":"die-kinder-von-llullaillaco","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/?p=3754","title":{"rendered":"Die Kinder von Llullaillaco"},"content":{"rendered":"<p>Wir besuchen das MAAM, das <em>Museo de Arqueologia de Alta Montana<\/em> in <em>Salta<\/em>, in welchem die in Europa fast unbekannten <em>Ninos de Llullaillaco<\/em> ausgestellt sind, die besterhaltenen Mumien der Welt. Erst 1999 wurden sie auf dem Gipfel des 400 km entfernt liegenden Vulkans <em>Llullaillaco<\/em> (6.739 m) an der Grenze zu Chile ausgegraben. Arch\u00e4ologen und Bergsteiger einer <em>National Geographic<\/em> Expedition bargen aus dem Boden drei tiefgefrorene, ca. 500 Jahre alte Kindermumien. Das Team arbeitete 13 Tage unter widrigen Umst\u00e4nden, wie Schneest\u00fcrmen und K\u00e4lte bis -37 \u00b0C, und legte neben den Mumien zahlreiche aufschlussreiche Artefakte frei<\/p>\n<p>Wir hatten \u00fcber das Museum gelesen und waren zun\u00e4chst skeptisch. Wollen wir uns wirklich einen argentinischen <em>\u00d6tzi<\/em> anschauen?<\/p>\n<p>Im Zentrum der Ausstellung steht ein Ritual der Inka, in welchem Kinder von \u201ehoher Geburt\u201c aus den vier Landesteilen des Inka-Reiches nach <em>Cusco<\/em> entsandt und dort miteinander &#8211; und damit symbolisch mit den G\u00f6ttern &#8211; \u201everheiratet\u201c wurden. Zweck dieses Rituals war eine Festigung des Inkareichs mit seinen gewaltigen Ausdehnungen. Anschlie\u00dfend kehrten die Kinder in ihre Heimat zur\u00fcck und wurden dort geopfert. Das Erbringen von Menschenopfern war damals \u00fcblich und wurde <em>capacocha<\/em> genannt.<\/p>\n<p>Das Museum stellt das Ritual in einen kulturhistorischen Kontext und besch\u00f6nigt dabei nichts. Zu sehen sind neben Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nden und Bekleidung der Expedition von 1999 auch gut erhaltene Grabbeigaben, Fotodokumente und vieles mehr. H\u00f6hepunkt des Besuches ist jedoch unzweifelhaft die Ausstellung je einer der drei gefundenen Kindermumien. Heute ist es <em>\u201eThe Lightning Girl\u201c<\/em>, das kleine M\u00e4dchen. Die Museumsr\u00e4ume sind and\u00e4chtig still, die Temperatur ist k\u00fchl. Gegen Ende des Rundganges erreicht man eine Art gl\u00e4serne Kapsel mit dem kleinen, erst sechs Jahre alten M\u00e4dchen, den zerbrechlichen K\u00f6rper eingeh\u00fcllt in rostbraune Stoffbahnen, die Beine untergeschlagen. Ihre Gesichtsz\u00fcge sind gut zu erkennen, der Mund ist leicht ge\u00f6ffnet, die Augen sind geschlossen. Trotzdem hat man das Gef\u00fchl, das M\u00e4dchen schaue einen anklagend an. Auf einer Gesichtsh\u00e4lfte ist eine Brandverletzung zu erkennen, die durch einen Blitzschlag nach dem Tod verursacht wurde.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240571-Kopie.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3716\" src=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240571-Kopie-300x264.jpg\" alt=\"P1240571 - Kopie\" width=\"300\" height=\"264\" srcset=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240571-Kopie-300x264.jpg 300w, http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240571-Kopie.jpg 588w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Im gleichen Grab wurden ein siebenj\u00e4hriger Junge und ein ungef\u00e4hr 15j\u00e4hriges M\u00e4dchen gefunden. Ihr Zustand ist gleichfalls unversehrt. Die Mumien werden heute nach dem Verfahren der Cryopreservation konserviert.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240572.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3717\" src=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240572-258x300.jpg\" alt=\"P1240572\" width=\"258\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240572-258x300.jpg 258w, http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240572.jpg 447w\" sizes=\"(max-width: 258px) 100vw, 258px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Videos berichten ausf\u00fchrlich \u00fcber die bisherige Arbeit und die Ergebnisse der internationalen Wissenschaftler, die die Mumien seit dem spektakul\u00e4ren Fund untersucht haben. Zwischen den Z\u00e4hnen der \u00c4ltesten fanden die Forscher Reste von Coca-Bl\u00e4ttern; au\u00dferdem konnten sie Restspuren einer alkoholischen Substanz, vermutlich <em>Chicha<\/em>, Maisbier, nachweisen. Die Inka glaubten, da\u00df Rauschzust\u00e4nde einen Zugang zur Welt der Geister erm\u00f6glichen. Bis kurz vor ihrem Tod bekamen die Kinder berauschende Substanzen verabreicht, vermutlich auch, um sie ruhig zu stellen.<\/p>\n<p>Schrecklich, dar\u00fcber nachzudenken, wie die kleinen Wesen vor einem halben Jahrtausend in eisiger K\u00e4lte auf fast 7.000 Metern H\u00f6he gestorben sind. Wir verlassen das Museum nachdenklich und aufgew\u00fchlt und freuen uns einmal mehr, in diese heutige Welt hinein geboren worden zu sein, und dann noch auf der Sonnenseite.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240573.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3718\" src=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240573-300x289.jpg\" alt=\"P1240573\" width=\"300\" height=\"289\" srcset=\"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240573-300x289.jpg 300w, http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/P1240573.jpg 501w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir besuchen das MAAM, das Museo de Arqueologia de Alta Montana in Salta, in welchem die in Europa fast unbekannten Ninos de Llullaillaco ausgestellt sind, die besterhaltenen Mumien der Welt. Erst 1999 wurden sie auf dem Gipfel des 400 km entfernt liegenden Vulkans Llullaillaco (6.739 m) an der Grenze zu Chile ausgegraben. Arch\u00e4ologen und Bergsteiger [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3754"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3754"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3754\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3757,"href":"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3754\/revisions\/3757"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3754"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3754"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.mondomare.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3754"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}